Der Iran richtet weiter Kinder hin

November 4, 2008

Der Iran will künftig die Todesstrafe für Minderjährige abschaffen, so die Staatsanwaltschaft. Menschenrechtler halten die Ankündigung allerdings für Augenwischerei – denn im Iran gilt immer noch das Vergeltungsrecht.

Alle Gerichte in der Islamischen Republik seien angewiesen, keine unter 18-jährigen Straftäter „ungeachtet der Straftat, die sie begangen haben“, mehr hinrichten zu lassen. Die Ankündigung des stellvertretenden Generalstaatsanwaltes Hossein Sobhi klingt zunächst viel versprechend, denn im Iran werden mehr Jugendliche hingerichtet als in allen anderen Ländern der Welt: In den vergangenen drei Jahren fanden dort zwei Drittel der weltweiten Exekutionen von Jugendlichen statt. Nur in Saudi-Arabien, im Jemen, in Pakistan und im Sudan gibt es ebenfalls Hinrichtungen von Minderjährigen.
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Necla Keleks Buch “Bittersüße Heimat. Bericht aus dem Inneren der Türkei”

Oktober 10, 2008

In den traditionellen türkisch-kurdisch-muslimischen Gesellschaften versteht man etwas ganz anderes unter “Ehre” als im Westen.

Die Frage, ob die Frau bei “Ehrverlust” bestraft werden müsse, bejahten 83,7 Prozent, 16,3 Prozent verneinten sie. Als “Strafe”, die ihr in einem solchen Fall “zustünde”, verlangten 37,4 Prozent: “Sie muss getötet werden”; 25,8 Prozent würden sie verstoßen und sich scheiden lassen; 7,6 Prozent sagten: “Sie muss ins Haus eingeschlossen werden”; 3,3 Prozent: “Sie muss Selbstmord begehen.”

An den Antworten wird deutlich, dass die “Ehre” von allen befragten Männern als gesellschaftliche Norm akzeptiert wird, für deren Verlust fast vier von zehn Befragten zu töten bereit wären. Niemand verweist auf die Gesetze, die das verbieten. Die Umfrage zeigt in nüchternen Zahlen, dass in diesem Teil der Türkei der Mord an Frauen bei über einem Drittel der männlichen Bevölkerung auf Zustimmung trifft, auch wenn die befragten Männer das nicht Mord, sondern Verteidigung der Ehre nennen.
Auch der Hinweis, diese Verbrechen seien tribale, also stammesegoistische Erscheinungen und hätten mit der Religion nichts zu tun, ist kaum überzeugend. Denn die Täter und Opfer von Ehrenmorden sind Muslime – gleich welcher Richtung. Und im Koran und durch die Vorbeter finden sie für ihr Verhalten die Legitimation. Sunniten sind genauso involviert wie Aleviten und Schiiten. Nicht nur im Osten, sondern in der ganzen Türkei.

Für sie ist die Gewalt über Frauen ein “Besitzstand”, legitimiert sowohl durch Tradition als auch durch die Vorschriften des Glaubens. Im Koran, Sure 4, Vers 34 heißt es: “Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott einem Teil der Menschen einen Vorzug vor dem anderen gegeben hat …” Auch die Ehe ist in der islamischen Rechtsauffassung ein Vertrag, der dem Mann eine Art “Nutzungsrecht” an der Frau einräumt. Wenn sie sich im Alltag, im Bett angeblich oder tatsächlich dem Willen des Ehemannes widersetzt, wird geschlagen, misshandelt oder der Tod beschlossen – gar nicht zu reden von der Gewalt, die schon vorher zur Durchsetzung des Männerwillens angewendet wurde. Das ist ein schreckliches Kapitel für sich.

FAZ


Todesstrafe für Kinder noch in fünf Ländern

Oktober 4, 2008

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ appellierte in ihrem Bericht über die Todesstrafe für Kinder an die UN auch die letzten fünf Länder, die die Todesstrafe bei Kindern durchführen, davon zu überzeugen die Todesstrafe nicht mehr für unter 18-Jährige zu verhängen.
Die fünf Staaten Iran (26), Saudi-Arabien (2), Sudan (2), Pakistan (1) und Jemen (1) führten im letztem Jahr Hinrichtungen an Kindern durch. Obwohl der Iran eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben hat, führt er die Liste an.
Grund dafür ist die unterschiedliche Definition eines Kindes: Während die UN von der Volljährigkeit mit 18 Jahren ausgeht, werden im Iran Mädchen mit neun und Jungen mit 15 Jahren volljährig. Die Human Rights Watch hofft, dass dieser „babarischen Praxis“ (Zitat) bald ein Ende gemacht wird.

Quelle