SPD und Grüne „machen Rechtsradikale salonfähig“

April 28, 2011

Rot-Grün droht Krach mit eigener Klientel: Die türkeistämmigen Aleviten schimpfen, SPD und Grüne seien Gehilfen des türkischen Ministerpräsidenten.

Um die Sympathien von Türkeistämmigen mussten sich SPD und Grüne bislang kaum kümmern, sie fielen ihnen zu. Das könnte sich nun ändern. Bei den türkeistämmigen Aleviten verliert Rot-Grün derzeit massiv an Ansehen. Jüngst kam es gar zum Eklat zwischen Rot-Grün und der Alevitischen Gemeinde Deutschlands. Ein Gespräch über die Ursachen mit Ali Ertan Toprak, dem zweiten Gemeindevorsitzenden.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpa
Toprak wirft SPD und Grünen vor, zu Handlangern des türkischen Staates zu verkommen

Welt Online: Herr Toprak, Sie sind Grünen-Mitglied. Trotzdem scheint es, als kühle sich Ihr Verhältnis zu Rot-Grün derzeit ab, oder?

Ali Ertan Toprak: Allerdings, SPD und Grüne beziehen in der Islampolitik Positionen, die sich immer deutlicher von unseren unterscheiden. Die Parteien, die früher zum Beispiel für Frauenrechte auf die Straße gingen, zeigen heute Verständnis für die Rolle, die der traditionelle Islam der Frau zuweist, also für ihre Unterdrückung. Man hat den Eindruck, als dürfe man bei SPD und Grünen nicht über die Wertekollision des Islam mit unserer freiheitlichen Gesellschaft diskutieren.

Welt Online: Enttäuscht fühlten sich jüngst von Ihnen aber rot-grüne Politiker. Die feierten den bundesweit ersten geplanten Islamunterricht in NRW als rot-grünes Projekt. Doch von Ihnen kam heftige Kritik.

Ali Ertan Toprak: Weil auch wir enttäuscht waren. Seit Jahren fordern wir, dass neben dem bereits eingeführten alevitischen Religionsunterricht auch islamischer Unterricht erteilt wird. Aber die Frage ist: mit wem? Rot-Grün setzt in NRW wie im Bund auf den Koordinierungsrat der Muslime (KRM) als Muslimvertreter. Das ist unverantwortlich.

Welt Online: Es gibt keine anderen Verbände. Und ohne kann man keinen bekenntnisorientierten Unterricht aufbauen.

Ali Ertan Toprak: Aber keiner der im KRM versammelten Verbände ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft. Und alle sind auf ihre Weise problematisch. Die Ditib ist ein Ableger des türkischen Staates und soll dessen Interessen durchsetzen. Die Ditib-Imame müssen sogar einen Eid ablegen, dass sie dem türkischen Nationalismus ewig treu sind.

Als einziger Verband besitzt die Ditib im KRM ein Vetorecht. Ankara bestimmt demnächst also, was muslimische Schüler hierzulande lernen. Und in zwei der anderen Verbände sind vom Verfassungsschutz beobachtete antisemitische Islamisten wie die Milli Görüs oder türkische Rechtsradikale einflussreich. Laut Rot-Grün sollen sie offenbar entscheiden, welcher Islam in deutschen Schulen künftig gelehrt wird.

Welt Online: Das Curriculum ist aber weitgehend vorgegeben. Viel Einfluss haben die Verbände nicht.

Ali Ertan Toprak: Aber selbst wenn dem so wäre: Warum verkauft Rot-Grün die Zusammenarbeit mit Islamisten und Ultranationalisten auch noch lautstark als Erfolg? Hier werden Radikale salonfähig gemacht und rechtsstaatliche Standards gebeugt.

Welt Online: Aber seit 50 Jahren leben Muslime hier, müssen die nicht endlich einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht bekommen?

Ali Ertan Toprak: Es gäbe ja eine Alternative: Die Bundesländer könnten die neutrale Islamkunde anstelle des bekenntnisorientierten Unterrichts weiterentwickeln. Für die Islamkunde braucht ein Land auch nicht mit einem Muslimverband zu kooperieren.

Welt Online: Aleviten klingen manchmal recht leidenschaftlich, wenn sie die bundesrepublikanischen Muslimverbände kritisieren. Warum?

Ali Ertan Toprak: Weil die türkeistämmigen Aleviten wissen, wie türkische Rechtsradikale, Islamisten und der türkische Staat Andersgläubige diskriminieren und zum Teil sogar verfolgen. Als zum Beispiel 1993 in der Türkei 35 Aleviten und Intellektuelle bei lebendigem Leib verbrannt wurden, waren es auch Vertreter der Milli Görüs, die den Mob aufgehetzt hatten.

Bereits in den 70ern verübten türkische Rechtsradikale Pogrome an Tausenden Aleviten. Einer der damaligen Rädelsführer ist der Gründer und Ehrenvorsitzende des Verbandes ATIB, der nun über den Zentralrat der Muslime mit am Tisch sitzen darf. Und der türkische Staat versucht noch immer, Aleviten zwangsweise in sunnitische Muslime zu verwandeln, auch in Deutschland. Über diese Zwangsassimilierung spricht bei SPD und Grünen aber niemand.

Welt Online: Drohen Ansätze von Zwangsassimilierung auch hierzulande?

Ali Ertan Toprak: Es sah zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen eine Zeit lang so aus, als lasse sich Rot-Grün zum Gehilfen der türkischen Zwangsassimilierung machen. Die Vertreterin des NRW-Schulministeriums erklärte sogar in der Islamkonferenz, dass alle als muslimisch erfassten Kinder für den Islamunterricht verpflichtend angemeldet werden sollten.

Welt Online: Also auch alevitische Kinder, wenn sie einen türkischen Pass haben?

Ali Ertan Toprak: Genau, der türkische Staat drückt jedem seiner Bürger den Stempel „Islam“ in den Ausweis, ob im In- oder Ausland. Eine Minderheit der hiesigen Aleviten hat aber auch die türkische Staatsbürgerschaft. Wenn diese alevitischen Kinder erst im Islam-Unterricht sitzen und sich dort abmelden müssen, wird unweigerlich sozialer Druck einsetzen, dieses Bist-du-kein-Moslem-oder-was-Mobbing, das wir aus der Türkei zur Genüge kennen.

Dort müssen außer den Christen alle Kinder den Zwangsislamunterricht besuchen. Wer sich wehrt, bekommt nicht nur sozialen, sondern auch juristischen Druck zu spüren. Eine Light-Variante drohte bislang in NRW.

Welt Online: Sie haben bei SPD und Grünen in NRW wegen dieser Gefahr interveniert.

Ali Ertan Toprak: Die Regierungsfraktionen haben mir diese Woche garantiert, dass es keine automatische Anmeldung aller Pass-Muslime zum Islamunterricht mehr geben soll. Aber diese Fahrlässigkeit des Schulministeriums hat uns schon beunruhigt. Um ein Haar hätte sich Rot-Grün zum Handlanger der Türkei und ihrer Homogenisierungspolitik gemacht.

Welt Online: Auf die Spitze getrieben wurde das Misstrauen gegen Rot-Grün aber durch andere Ereignisse?

Ali Ertan Toprak: Ja, die Alevitische Gemeinde wurde vom Bundesfamilienministerium beauftragt, ein Aufklärungsprojekt gegen Extremismus unter Türkeistämmigen aufzubauen. Zu dem Zweck haben wir zum Beispiel dem NRW-Integrationsministerium einen Fragebogen geschickt, in dem wir um Einschätzungen baten zu Ausmaß und Ursachen von Islamismus und Nationalismus unter jungen Türkeistämmigen.

Welt Online: Mit welchem Ergebnis?

Ali Ertan Toprak: Mit gar keinem. Die Integrationsstaatssekretärin Zülfiye Kaykin antwortete gar nicht, dann fragten wir bei ihrem Abteilungsleiter nach. Der verweigerte jede Auskunft und ließ mir vor Zeugen und von ihm unbestritten ausrichten, ich sei ein „opportunistisches Arschloch“.

Welt Online: Weil Ihr Projekt vom CDU-geführten Bundesfamilienministerium geleitet wird, obwohl Sie als Grüner doch Rot-Grün verbunden sein sollten?

Ali Ertan Toprak: Das war vermutlich der Hintergedanke. Geschockt sind wir aber nicht nur von der Respektlosigkeit, sondern von der offenbar fehlenden Bereitschaft der Landesregierung, sich mit islamistischen und ultranationalistischen Tendenzen unter Türkeistämmigen zu beschäftigen. Auf dem rechten Auge ist Rot-Grün in NRW wie anderswo oft blind – wenn es um Migranten geht.

Welt Online: Was geschah nach dem verbalen Aussetzer aus dem Ministerium?

Ali Ertan Toprak: Die Alevitische Gemeinde hat Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am 18. März angeschrieben, personelle Konsequenzen gefordert und um eine baldige Antwort gebeten. Doch die Staatskanzlei hat sich nicht gerührt.

Welt Online: Wie erklären Sie sich das?

Ali Ertan Toprak: SPD und Grüne halten uns Aleviten offenbar für Störenfriede, weil wir fordern, Nationalismus und Extremismus überall zu ächten – auch unter Türkeistämmigen. Dazu fehlt bei SPD und Grünen die Bereitschaft, vermutlich mit Blick auf Wählerstimmen.

Wir werden also unbequem und bekommen sofort die kalte Schulter gezeigt. Auch auf Bundesebene beobachte ich bei SPD und Grünen eine Tendenz, Migranten nur zu schätzen, solange sie uns „anwaltlich“ vertreten dürfen. Das nennt man Bevormundung.

Welt Online: Ein Beispiel?

Ali Ertan Toprak: Wie kann die Bundes-SPD fordern, alle Migranten sollten sich aus der Islamkonferenz zurückziehen, weil der Bundesinnenminister sich distanziert zum Islam geäußert hat? Das ist doch unsere Entscheidung! SPD und Grüne sollten sich nicht zu sicher fühlen. Inzwischen haben die Aleviten auch in anderen Parteien Wurzeln geschlagen.

In der CDU hat sich ein Christlich-Alevitischer Freundeskreis gegründet. Niemandem ist entgangen, dass es die CDU war, die in der Islamkonferenz erstmals mit den Migranten gesprochen hat – und nicht nur über sie. Und Aleviten wissen zu schätzen, dass zumindest die Bundes-CDU wachsamer gegenüber extremistischen Türkeistämmigen ist als Rot-Grün.

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Aleviten – die anderen Türken in Deutschland

März 26, 2011

„Wir wollen in Deutschland nicht zwangsislamisiert werden“

Die Aleviten sind die einzige Gruppe aus dem islamischen Kulturkreis, die als Religionsgemeinschaft in Deutschland anerkannt sind. Nordrhein-Westfalen beschloss kürzlich als erstes Bundesland die Einführung eines bekenntnisorientierten Islamunterrichts. Toprak aber will alevitische Lehrstühle an deutschen Universitäten sehen, sowie einen eigenen Religionsunterricht für alevitische Kinder. „Wir wollen auch in Deutschland nicht zwangsislamisiert werden“, sagt er.

Im Alter von zwei Jahren kam Toprak nach Deutschland, aufgewachsen ist er in Recklinghausen. Heute gilt als das deutsche Gesicht der Aleviten. „Für viele sind wir die letzte Hoffnung, dass der Islam doch demokratisch ist“, sagt Toprak. „Aber wir haben eine völlig unterschiedliche und eigenständige Glaubenslehre. Wir respektieren zwar den Koran genauso wie die Bibel, aber wir lesen daraus keine Handlungsanweisung. Wir lehnen die Scharia ab. Alevitische Frauen tragen weder Schleier noch Kopftuch. Ich fühle mich mehr als Alevit und weniger als Muslim. Wenn man alles gegenüberstellt – da bleiben wenig Gemeinsamkeiten.“ Dem Islam wirft er vor allem mangelnde Toleranz vor.

Ramadan ist schlimmste Zeit des Jahres

Auch in Deutschland werden alevitische Kinder gemobbt. Die 17-jährige Ceren etwa hat sich oft verstecken müssen. Die Alevitin besucht die elfte Klasse eines Gymnasiums. In ihrer Grundschulzeit hat sie während des Fastenmonats Ramadan oft heimlich auf dem Schulhof ihr Pausenbrot gegessen. „Von muslimischen Kindern wurde ich häufig als ungläubig beschimpft, weil ich nicht einen Monat lang gefastet habe“, sagt sie. Überhaupt ist Ramadan für die Aleviten die schlimmste Zeit des Jahres. Besorgte Mütter aus ganz Deutschland rufen bei der Alevitischen Gemeinde an, weil ihre Tochter als Schlampe beschimpft wird, wenn sie kein Kopftuch trägt oder einen Minirock.

Lange haben die Aleviten ihre Zugehörigkeit verborgen. Möglichst nicht auffallen war die Devise. In manchen Familien wussten nicht einmal die Kinder, dass sie Aleviten sind. Ihre Unterdrückung gipfelte im Massaker von Sivas. Am 2. Juli 1993 steckte ein aufgebrachter Mob ein Hotel in Brand, in dem alevitische Intellektuelle logierten, die zu einer Feier in die anatolische Stadt gekommen waren. 37 Menschen starben. Die türkische Regierung sprach von einem traurigen Vorfall.

Türkei in der EU?

Unter dem Dach der Union hat sich jüngst ein christlich-alevitischer Freundeskreis etabliert. Einig ist man sich auch in der Skepsis um einen EU-Beitritt der Türkei. „Angeblich hat der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sein Land der EU angenähert“, sagt Toprak. „Doch die türkische Gesellschaft ist religiöser und konservativer geworden. Wir befürchten eine Re-Islamisierung in der Türkei. Dieser Staat schimpft sich laizistisch, betreibt aber eine staatliche Religionsbehörde mit rund 100.000 Staatsbediensteten.“ Zwar wolle man die Türkei langfristig in der EU sehen – aber nicht in ihrem jetzigen Zustand, sondern als modernes, säkulares Land. Die Türkei aber entwickle sich schleichend zu einem islamischen Staat.

In ihrem Ursprungsland werden die Aleviten noch immer diskriminiert. Im höheren Staatsdienst etwa ist kein Alevit zu finden – dabei sind rund 30 Prozent der Türken Aleviten. Bei seinem Deutschland-Besuch vor drei Jahren hatte Erdogan die in Deutschland lebenden Türken zur Integration aufgefordert, zugleich aber vor völliger Aufgabe ihrer kulturellen Identität gewarnt. Am vergangenen Wochenende wiederholte er bei einem neuen Auftritt in Düsseldorf seinen Standpunkt. „Ich sage Ja zur Integration. Ihr müsst euch integrieren, aber ich bin gegen Assimilation,“ rief Erdogan den rund 10.000 Zuhörern zu.

Aleviten in deutscher Gesellschaft verwoben

„Das ist zynisch, denn in seinem eigenen Land zwingt er die Aleviten zur Assimilation“, sagt Toprak zu derlei Positionen. „Die Türkei ist ein verbohrter, nationalistischer Staat, der völlig unkritisch mit seiner Vergangenheit umgeht.“ Die Regierung in Ankara lehnt es etwa vehement ab, ein Museum am Ort des Massakers von Sivas zu errichten. Kürzlich hat auch EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg die Türkei schriftlich ermahnt, der Multireligiosität ihres Landes Rechnung zu tragen und die Religionsgemeinschaft der Aleviten anzuerkennen.

In Deutschland sind die Aleviten – ob sie sich nun selbst noch so bezeichnen oder nicht – längst eng mit der Gesellschaft verwoben. Auffallend viele türkischstämmige Politiker und Akademiker sind Aleviten. Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Memet Kiliç, Vorsitzender des Bundesausländerbeirats. Ekin Deligöz, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, die vor fünf Jahren in Deutschland lebende Muslima dazu aufforderte, das Kopftuch abzulegen. Seyran Ates, Autorin, Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin.

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Die Gefahr geht vom politischen Islam aus – Türkei

März 23, 2011

Saudi-Arabien, der Iran und andere autoritäre islamische Staaten verbreiten mit viel Geld und Propaganda ihre antiwestlichen und antisemitischen Hasslehren. Und neuerdings haben wir es auch in der Türkei, die durch ihr Religionsministerium weitgehend das türkische religiöse Leben in Deutschland bestimmt, mit einer explizit islamischen Regierung zu tun. Sie ist zwar keineswegs mit den genannten Terrorregimes gleichzusetzen. Doch auch sie versteht sich als übergeordnete Schutzmacht der Umma, der weltweiten islamischen Gemeinschaft.

Türkischer Nationalismus und islamisches Erweckungsbewusstsein gehen in ihrer Ideologie eine Synthese ein. Dies machte Ministerpräsident Erdogan in seiner Düsseldorfer Rede deutlich, als er „Islamophobie“ mit Antisemitismus gleichsetzte und als „Menschenrechtsverletzung“ verdammte. Abgesehen davon, dass dies angesichts des wachsenden Juden- und Israelhasses in der Türkei zynisch klingt – wo findet denn in Europa eine Diskriminierung oder gar Verfolgung von Muslimen statt, die auch nur annähernd der Behandlung der Juden im 19. und 20. Jahrhunderts ähnelt – oder der aktuellen Verfolgung von Christen in islamischen Ländern wie dem Irak?

Liberale „Islamkritiker“ werden als „Panikmacher“ denunziert

Mit dem propagandistischen Kampfbegriff „Islamophobie“ nähren islamische Ideologen ein kollektives halluzinatorisches Opferbewusstsein, das die muslimischen Gemeinschaften auf Distanz zu den „Ungläubigen“ und ihrer „gottlosen“ Zivilisation halten soll. Als Gegenmodell präsentiert sich ein politischer Islam, der – nicht nur in seiner fundamentalistischen, sondern auch in seiner „gemäßigt-demokratischen“ Variante – eine dem westlichen Demokratiemodell moralisch überlegene Gesellschaftsordnung unter islamischen Vorzeichen in Aussicht stellt.

Diese Ideologie muss Gegenstand deutlicher Kritik bleiben. Neuerdings jedoch scheint ein erheblicher Teil des deutschen intellektuellen Establishments an der Immunisierung „des Islam“ gegen jede grundsätzliche Infragestellung mitwirken zu wollen. Liberale „Islamkritiker“ werden in deutschen Feuilletons als „Panikmacher“ denunziert und pauschal mit populistischen rechtsextremen Fremdenfeinden in Verbindung gebracht. Dies erinnert an die Art, wie Linke und Linksliberale in den 70er- und 80er-Jahren den Begriff „Antikommunismus“ in eine Stigmatisierungsvokabel umgemünzt haben. Freiheitliche Kommunismusgegner fanden sich mittels des „Antikommunismus“-Verdachts unversehens in die Nähe von faschistischen Demokratiefeinden gerückt.

welt


„Deutschkurse sind für uns Türken eine Provokation“

März 23, 2011

„Deutschkurse im Ausland werden in Ankara eher als Provokation wahrgenommen. Ein Türke wird sich immer als Türke fühlen. Wir haben einfach ein sehr starkes Nationalbewusstsein.“
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heuchlerische Türken

März 21, 2011

Nach einer von der EU unterstützten Studie, die am gestrigen Mittwoch von verschiedenen türkischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde, will jeder dritte Türke keinen Christen zum Nachbarn haben.

Eine deutliche Mehrheit der Türken von 55 Prozent lehnt demnach eine Beschäftigung von Angehörigen der nicht-muslimischen Minderheiten bei der Justiz oder den Sicherheitskräften ab.

Selbst im Gesundheitswesen wollen 44 Prozent der türkischen Bevölkerung keine christlichen oder jüdischen Ärzte und Krankenschwestern sehen.
Atheisten sind in etwa ebenso unbeliebt bei den Türken wie Christen.

Eine atheistische Familie als Nachbarn würden der Studie zufolge 57 Prozent der Türken ablehnen. Auch den Juden geht es nicht besser: 42 Prozent erklärten, sie wollten keine jüdischen Nachbarn haben, und einheimische Christen als Nachbarn lehnen 35 Prozent der Bevölkerung ab.

Ausländer im allgemeinen sind im Vergleich dazu noch relativ gut gelitten: Gegen eine ausländische Familie als Nachbarn hätten nur 18 Prozent etwas einzuwenden.

Muslime einer anderen Glaubensrichtung als sie selbst würden 13 Prozent der türkischen Muslime
nicht wollen.

Den Anteil der Nicht-Muslime an der türkischen Bevölkerung konnten nur 7 Prozent der Befragten korrekt mit weniger als ein Prozent angeben.

Alle anderen überschätzten den nichtmuslimischen Anteil der Bevölkerung entweder auf bis über 30 Prozent oder konnten gar keine Antwort geben.

Und die Türkei möchte Mitglied der EU werden! Dazu gehört die Freizügigkeit innerhalb der Grenzen der EU, doch die Türken, die in allen westeuropäischen Ländern leben und nach einer Aufnahme in der EU in Millionenheeren nach Westeuropa emigrieren werden, können es nicht akzeptieren, das Westeuropäer in ihrem Land leben.

So sieht die Toleranz in einem islamischen Land aus.
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Warum japanische Parallelgesellschaften keinen stören

März 16, 2011

Nicht nur Türken, auch Japaner leben in Deutschland in Parallelgesellschaften und lassen ihre Kinder zuerst Japanisch lernen. Trotzdem beunruhigt das keinen.

Deswegen frage ich mich, warum wir ein Problem mit den Türken und kein Problem mit den Japanern haben, nicht einmal in Düsseldorf. Niemand fragt nach ihrer Geburtenrate, keine Behörde stellt ihnen Integrationshelfer zu Seite, es hat auch noch keinen Japan- bzw. Asien-Gipfel beim Innenminister gegeben und keinen christlich-japanischen Arbeitskreis beim Evangelischen Kirchentag. Wir wissen nicht einmal, welcher Religion sie angehören. Sie selbst machen daraus kein Geheimnis, aber auch kein öffentliches Aufheben.

Es muss also andere Gründe geben. Könnte es damit zu tun haben, dass noch kein Japaner vor ein Gericht gezogen ist, um einen Gebetsraum in einer Schule zu erklagen? Oder dass sich kein Japaner geweigert hat, in einem Supermarkt Getränke einzuordnen, die zu trinken ihm seine Religion verbietet? Dass sie bei den erfassten “Intensivtätern” unter-, dafür bei den Abiturienten überrepräsentiert sind? Auch die Japaner leben in Parallelgesellschaften, heiraten untereinander und lassen ihre Kinder zuerst Japanisch und dann Deutsch lernen. Aber: Noch nie ist ein japanischer Minister nach Deutschland gekommen, um seinen Landsleuten zu sagen, was sie tun und was sie lassen sollten. So etwas würde sich die Regierung als Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Republik verbieten. Es sei denn, es handelt sich um den türkischen Ministerpräsidenten…
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Grüne/Linke und konservative Islamlobbygruppen vereint

März 16, 2011

Nicht schon wieder. Wieder einmal sind Grüne und islamistische Lobbyverbände einig darin, beleidigt zu sein, weil eine Wahrheit schlicht und klar ausgesprochen wurde: Der Islam gehört, historisch, nicht zu Deutschland.

Natürlich hat Innenminister Hans-Peter Friedrich recht, wenn er sagt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Es deckt sich mit dem, was der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan seinen in Deutschland lebenden türkischen Landsleuten vor wenigen Tagen mahnend zugerufen hat, als er sie erneut vor der Assimilation warnte. Erdogan appelliert an die, die nicht dazugehören, nicht dazugehören wollen, und von denen gibt es einige.

Die Reaktionen auf den Innenminister dagegen verlassen sich auf das vertraute Gemisch aus lautstarker Empörung und politischer Erpressung, statt zur Sache zu reden. Und das ist der wahre Skandal. Was hatte der Innenminister noch mal genau gesagt? „Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich aus der Geschichte nicht belegen lässt.“

Er sprach zur Geschichte. Nun warten wir also auf Widerlegungen, und bekommen stattdessen Belehrungen zum interkulturellen Knigge. Renate Künast: Der Minister „zerschlägt Porzellan!“ Gut, die Erde ist rund, aber pscht!, es gibt Leute die das als Affront auffassen könnten. Von ihrem Kollegen Cem Özdemir ist nur zu hören, der Minister habe „ein krudes Gesellschaftsverständnis“. Aha. Dürfen wir vorerst sagen, Özdemir hat ein krudes Debattenverständnis?

Die Vorsitzende des liberal-islamischen Bundes wird schon orientalisch-bunter. Sie verteidigt die Ehre. Sie nennt die Ministeraussage eine „Ohrfeige ins Gesicht der Muslime“ und hält sie für „politisch wie historisch falsch“. Und wie wäre es, historisch, richtig? Fehlanzeige.

Der Chef der türkischen Gemeinde tut das, was er am besten kann. Er droht. „Wenn der Innenminister Streit sucht, wird er ihn bekommen.“ Devise: Wenn du noch einmal behauptest, ich sei intolerant, dann kriegst du aufs Maul.

Kein Einziger hat auf den Minister in der Sache geantwortet. Das interessierte Publikum wartet immer noch auf Belege für das, was an der Minister-Aussage falsch sein soll. Wartet auf jede Menge Beweise für die historische gewachsene islamisch-christlich-deutsche Identität.

Sollten wir den 12.September 1683 als Beginn einer wundervollen Freundschaft annehmen, als die Türken vor Wien auftauchten und die christlichen Staaten des Abendlandes gemeinsam zitterten? Oder ist es die Mokka-Mode im Rokoko, die uns beglückte, oder Mozarts beschwingtes Märchen von der „Entführung aus dem Serail“, dieser Exotenschauer aus Harem, Kerkermeister, Augenrollen, gewagten Miedern, gütigem Bassa Selim?

Oder fallen uns nicht doch eher die missgelaunten türkischen Subkulturen mit den verschleierten Frauen in den Großstädten ein, die Brandreden der Scharia-Anhänger in Mönchengladbach, die türkischsprachigen Viertel in Duisburg Marxlohe und die vielen, vielen islamischen Kulturvereine, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden?

Sagen wir es so: Ich habe einige muslimische Freunde. Trotzdem gehört der Islam nicht zu Deutschland, geschichtlich, er gehört nicht in unsere historisch-religiöse DNA, denn die ist, allen Unkenrufen zum Trotz, immer noch christlich.

Wie ein Lauf auf Eierschalen

Es ist lustig, über den Islam zu diskutieren, denn man wird gebeten, so vorsichtig aufzutreten, als laufe man über Eierschalen – die Gegenseite könnte sich provoziert fühlen und sich genauso benehmen, wie man es beschrieben hat.

Gerade eine Woche ist es her, als an gleicher Stelle Patrick Bahners Buch „Die Panikmacher“ besprochen wurde. Bahners beschuldigte nicht die islamistischen Sprengstoffkommandos und Scharia-Propagandisten der Panikmache, sondern diejenigen, die vor ihnen warnen. Etwa Hirsi Ali, die von islamischen Tugendwächtern Verstümmelte, oder Ralph Giordano, den Holocaust-Überlebenden.

Thomas Steinfeld („SZ“) war von Bahners Mut schwer ergriffen.“Er prüft er denkt … Aber welche Freude dass es ihn gibt“. Nur ein paar Tage später schießt ein islamistischer Attentäter zwei amerikanische Soldaten vor dem Frankfurter Flughafen nieder. Und der türkische Premier warnt vor allzugroßer Assimilation. Panikmache?

In Tunis sind bereits die Rotlichtviertel vom islamistischen Mob abgefackelt worden. In Ägypten hält die Mehrheit Steinigung bei Ehebruch, Handabhacken bei Diebstahl und die Todesstrafe beim Abfall vom Islam für wünschenswert, und das war VOR dem Umsturz. In Jordanien, im Jemen, in Marokko, in Bahrain, im Gaza-Streifen gibt es starke und vor allem gut organisierte islamistische Gruppierungen, die Mehrheiten bilden oder zur Mehrheit drängen.

Seit 1979 Ajatollah Chomeini das korrupte Schah-Regime ablöste und die Hoffnung auf Freiheit und Menschenrechte in einen finsteren Gottesstaat erstickte, sind wir gewarnt.

Und nein: Der Islam gehört nicht zu Deutschland.

Spiegel