Türkei leugnet Völkermord

In der Rhonestadt soll ein Mahnmal an die Opfer des Völkermords an den Armeniern erinnern. Die offizielle Türkei und Türken in der Schweiz wollen das verhindern.

Am 24. April gedenken Armenierinnen und Armenier jeweils weltweit dem Völkermord im Ersten Weltkrieg, dem rund 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Ein geplantes Mahnmal für den Völkermord in Genf stösst nun auf vehemente türkische Proteste. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, hat die türkische Regierung beim Aussendepartement (EDA) gegen das geplante Monument interveniert.

Der Verband der Türken der Romandie will das Mahnmal verhindern, «koste es, was es wolle», wie der Verband jüngst seinen Mitglieder schrieb. Der Verband ruft die Genfer Türken dazu auf, die verantwortlichen Genfer Politiker abzuwählen. Zudem droht der Verband, die Schweiz müsse ihre Vermittlung im armenisch-türkischen Konflikt beenden, wenn das Mahnmal gebaut werde.

Das EDA reagiert wegen der türkischen Proteste alarmiert und hat bei der Genfer Stadtpräsidentin Sandrine Salerno (sp.) interveniert, wie die «NZZ am Sonntag» weiter berichtet.

Obama vermeidet das «G-Wort»

US-Präsident Barack Obama hat am Samstag an die Tötung von rund 1,5 Millionen Armeniern auf dem Gebiet der heutigen Türkei während des Ersten Weltkrieges erinnert. Er sah aber erneut davon ab, von einem Völkermord («genocide») zu sprechen. Der Massenmord sei «eine der schlimmsten Gräueltaten des 20. Jahrhunderts», hiess es in einer schriftlichen Stellungnahme Obamas.

Während seiner Kandidatur für das Präsidentenamt hatte Obama wiederholt versprochen, den Völkermord an den Armeniern als solches anzuerkennen, sollte er Präsident werden. In seiner Erklärung betonte Obama, seine Betrachtungsweise der damaligen Ereignisse habe sich seit dem Präsidentschaftswahlkampf nicht geändert. «Eine vollständige, aufrichtige und gerechte Anerkennung der Fakten ist in unser aller Interesse», hiess es.

Türkischer Botschafter: «inakzeptabel»

Seit seinem Amtsantritt 2009 hat Obama das Wort Völkermord im Zusammenhang mit den Ereignissen im Jahr 1915 aber nie benutzt. Grund dafür ist offenbar der Widerstand der Türkei, einem wichtigen NATO-Verbündeten der USA.

Der türkische Botschafter in den USA, Namik Tan, wies Obamas Kritik umgehend zurück. Dessen Erklärung zeuge von einer «ungenauen, fehlerhaften und politisch einseitigen Geschichtsbetrachtung», erklärte er. Obamas Aussagen seien daher «inakzeptabel» und «unvertretbar».

Für Türkei «kriegsbedingte Massnahmen»

Die meisten Historiker betrachten die Tötungen der Armenier während des Ersten Weltkriegs auf dem Gebiet des damaligen Osmanischen Reichs als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Sie gehen von über einer Million bis zu 1,5 Millionen getöteten Armeniern aus. Das Morden hatte sich auch gegen christliche Aramäer und Assyrer sowie Griechen, insbesondere an der Schwarzmeerküste, gerichtet. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Anteil an Menschen christlichen Glaubens in Kleinasien noch rund 25 Prozent an der Gesamtbevölkerung betragen. Heute sind es in der Türkei wenige Promille.

Die türkische Regierung und mit ihr grosse Teile der Bevölkerung leugnen den Völkermord jedoch noch immer. Bei den erzwungenen Gewaltmärschen bis in die syrische Wüste habe es sich um kriegsbedingte Massnahmen mit rund 200 000 Opfern gehandelt.

24. April als Gedenktag

Armenien gedenkt jeweils am 24. April der Opfer der Massaker – am 24. April 1915 nahmen die Behörden des Osmanischen Reiches im damaligen Konstantinopel über 200 armenische Intellektuelle und Gemeindevertreter fest. Diese Verhaftungen gelten als der Anfang der Verbrechen an den Armeniern in den Jahren 1915 bis 1917.

Armenien und verschiedene Länder des Westens, darunter die Schweiz, fordern, dass die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord eingestuft wird.

quelle

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