Christlicher Minister von Muslimen ermordet

Niedergeschossen auf offener Straße in Islamabad. Er, selbst ein Katholik und der einzige Christ in Pakistans Kabinett, hatte sich immer wieder entschlossen gegen das harsche Blasphemiegesetz des Landes ausgesprochen. Auch dann noch, als die Taliban und extremistische Kleriker eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, mit einem Todesurteil gegen ihn vorgelegt hatten. „Ich bin der Nächste auf ihrer Todesliste“, sagte der 42-Jährige kürzlich. Er hat recht behalten.

Shahbaz Bhatti war auf dem Weg zur Arbeit in Pakistans Hauptstadt. Er hatte gerade das Haus seiner Mutter in einer Vorstadt Islamabads verlassen, als am Mittwoch um 10.30 Uhr drei unbekannte Männer das Feuer auf sein Auto eröffneten. Zwei der Männer, so ein Augenzeuge, öffneten die Tür seines Toyota und versuchten, Bhatti aus dem Auto zu zerren. Gleichzeitig schoss der dritte mit seiner Kalaschnikow immer wieder in das Wageninnere.

Der Angriff dauerte nur etwa 30 Sekunden, dann flohen die Täter in einem wartenden weißen Suzuki Mehran. Als Minister Bhatti in das Shifa-Krankenhaus eingeliefert wurde, war er schon tot. Mindestens acht Kugeln, so die Polizei, trafen ihn….

Christliche Minderheit lebt in ständiger Angst

Die Situation für die Christen im Land – sie machen nur etwa 1,5 Prozent der 185 Millionen Pakistaner aus – wird immer schwieriger. „Die christliche Gemeinde lebt hier sowieso schon in ständiger Furcht“, sagt der pakistanische Christ Martin Fernandes aus Karatschi. „Und dann passiert so etwas. Niemand wagt es, laut darüber zu reden, denn jeder könnte zum nächsten Ziel werden.“ Dieses Gefühl begleitet tatsächlich Menschen in ganz Pakistan ständig.

„Wir haben Angst“, sagt auch die katholische Grundschullehrerin Shirley Kanson Dean aus Karatschi. „Jetzt haben sie wieder zugeschlagen, und bald werden sie womöglich gegen die Kirchen vorgehen. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, dann gehen wir. Niemand ist in diesem Land seines Lebens sicher.“

Die Nächste auf der Todesliste der Extremisten könnte die Abgeordnete Sherry Rehman sein. Sie hatte sich im Parlament dafür eingesetzt, das Blasphemiegesetz zu reformieren und damit Missbrauch einzuschränken. Außerdem forderte sie die Abschaffung der Todesstrafe bei Blasphemiefällen. Gouverneur Taseer und Minderheitsminister Bhatti hatten diese Eingabe offen unterstützt und dafür mit ihrem Leben bezahlt.

Die Regierung hatte sich dem von den Islamisten entfachten Widerstand gebeugt und sich gegen die Reformen ausgesprochen. Sherry Rehman wurde vom Premierminister Gilani selbst ausgebremst. Seitdem erhält sie nach eigenen Aussagen alle 30 Minuten Todesdrohungen per Telefon oder E-Mail. Sie ist offenbar im Nachbarland Indien abgetaucht.

Die schwache Regierung sieht machtlos zu, wie die Islamisten immer mehr Einfluss gewinnen und die Bevölkerung mit ihren Hetzreden anstacheln. Nicht einmal nach dem Mord an Gouverneur Taseer hat die Führung unter der PPP durchgegriffen. Stattdessen kuscht sie vor den lautstarken Parolen der Mullahs – und untergräbt damit ihre Macht noch weiter.
welt

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