„Freiheit ist für Frauen nicht vorgesehen“ Kelek

Dr. Necla Kelek ist eine Frau klarer Worte. „Kultureller und politischer Islam lassen sich nicht voneinander trennen“, sagte die Soziologin bei ihrem Vortrag aus dem Buch „Himmelsreise“ in der VHS. In dem ging die gebürtige Türkin hart mit den patriarchalen Strukturen in der muslimischen Welt und unter Migranten in Deutschland ins Gericht.

Die Brisanz des Themas zeigte sich schon am Eingang der Aula: Zwei Polizisten bewachten die Veranstaltung, zu der mehr als 100 Zuhörer gekommen waren. „In Hagen hatte ich schon einmal das Problem, dass Muslime die Veranstaltung gestürmt und mich als Ungläubige beschimpft haben.“ Wenige Minuten später zeigt sich warum. Denn die Islamkritikerin forderte Migranten in Deutschland zum Umdenken auf.

„Viele Muslime sehen sich noch immer als Türken. Sie akzeptieren Europa nicht als neue Heimat.“ Dabei spiele der Islam eine wichtige Rolle. Denn die Freiheit trage in der muslimischen Welt eine andere Bedeutung, als in der westlichen Welt. „Dort bedeutet sie die bewusste Entscheidung, dem Willen Allahs zu dienen“, sagt Kelek, die mit dem Islam groß geworden ist. „Für Frauen ist die Freiheit nicht vorgesehen. Sie stehen unter dem Schutz der Männer oder Väter vor anderen Männern.“

Diese Einstellung kollidiere mit europäischen Wertvorstellungen. Das Kopftuch sei ein Zeichen dafür. „Mit ihm wird die Rolle von Opfer und Täter verkehrt.“ Denn mit der Verhüllung habe die Frau dafür Sorge zu tragen, dass sie bei Männer kein Verlangen erregt. „Es trägt nicht der Täter eines sexuellen Übergriffes die Verantwortung, sondern die Frau, die sich nicht ausreichend verhüllt.“ Schon kleine Mädchen würden durch das Kopftuch als „Sexualobjekte“ gekennzeichnet.

Muslime, die nach Deutschland kommen, seien größtenteils nicht willens, diese Ansichten abzulegen. Dabei sei das eine Voraussetzung für Integration.

Das Erlernen der Sprache reiche nicht aus. „Ich begreife die Freiheit in Deutschland nicht als Service-Station für fremde Kulturen, sondern als den Inhalt einer Wertegemeinschaft.“ Nicht umsonst wählte die Wissenschaftlerin zum Beschreiben dieser Inhalte die aufklärerischen Philosophen Kant und Montesquieu. „Der Islam als Religion hat die Aufklärung noch vor sich.“

In der anschließenden Diskussion besprachen die Teilnehmer die Rolle des Islam bei den Revolutionen in Nordafrika. „Ich kann den jungen Menschen nur raten, sich weiterhin für die Freiheit im Land einzusetzen. Sonst könnte die Revolution eine Enttäuschung werden“, sagte Kelek dazu. Auch das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin wurde zum Thema. „Diese Angst in der Bevölkerung ist da, ob Sarrazin darüber schreibt oder nicht.“ Darum müsse man sich damit auseinandersetzen.

Schlüssel zur Lösung des Problems sei, dass Migranten sich nicht weiter als Opfer stilisierten und Europäer Muslime nicht als Mündel betrachteten. „Die Situation der Muslime in Deutschland ist nicht von der schlechten sozialen Lage bestimmt, sondern vom kulturellen und politischen Islam.“

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