Islamistische Verbote für Frauen werden immer härter

Kleiderzwang, Arbeitsverbote: Vorschriften der Rebellengruppen im Süden des Landes bedrohen Lebensgrundlagen ganzer Familien

Nairobi – Frauen, die in den von Islamisten kontrollierten Gegenden Somalias leben, berichten von zunehmenden Repressalien. Im jüngsten Erlass der Al Qaida-nahen Gruppe „Al Shabaab“, die weite Teile des Südens Somalias übernommen hat, wurde es Frauen verboten, Handel mit Seeleuten zu treiben, sofern diese männlich sind. Die überwiegende Mehrheit der Crews, deren Schiffe im Hafen der Stadt Kismayu anlegen, bestehen jedoch aus Männern.

Mit diesem Gesetz wird den Bewohnerinnen die Lebensgrundlage entzogen. Viele Frauen sind verwitwet oder geschieden und haben ihr bescheidenes Auskommen ausschließlich über den Obst- und Gemüsehandel bewerkstelligt. „Eine Frau darf nicht mit einem ausländischen Mann am Hafen gesehen werden. Die Bestrafung für jede Frau, die am Hafen oder einem fremden Schiff aufgegriffen wird, ist Gefängnis“, kommentierte ein ranghohes Gruppenmitglied von Al Shabaab die Vorschrift.

„Ich habe drei Kinder und muss sie mit dem bisschen Geld aus dem Handel mit den Seeleuten durchbringen“, schildert Hawa Olow. „Jetzt kann ich meiner Arbeit nicht mehr nachgehen.“

Auch ist es Frauen mittlerweile untersagt, Männern in der Öffentlichkeit die Hand zu schütteln, alleine zu reisen, generell Handel zu betreiben oder in einem Büro zu arbeiten. Außerdem zwingen die Islamisten Frauen dazu, Uniformen zu tragen, die ausschließlich über Mitglieder der Gruppe zu kaufen sind. Al Shabaab (zu Deutsch: Die Jugend) hat bereits in der Vergangenheit Filme, Handyklingeltöne oder Fußballübertragungen im Fernsehen verboten. Ein bei Männern rund um das Horn von Afrika beliebtes Genussmittel, Khat, wurde ebenfalls verboten. Dutzende Frauen, die in Kismayu beim Khat-Schmuggel erwischt wurden, mussten für 20 Tage ins Gefängnis und eine Strafe von einer Million Somalia-Schillingen zahlen.

„Selbst im Krieg hatten wir ein Leben und ein wenig Frieden. Jetzt kontrollieren die Islamisten die Region und denken sich Bestrafungen für die kleinsten Dinge aus. Sie sagen, dass Frauen nichts machen dürfen“, erzählt eine Khat-Verkäuferin. „Einige Frauen haben aber keine Ehemänner, sie sind Singles oder geschieden oder ihre Männer sind im im Kampf umgekommen. Die Islamisten zerstören ihr Leben.“

Frauen ist es auch untersagt, in öffentlichen Verkehrmitteln neben Männern zu sitzen und sie dürfen nicht ohne Begleitung eines männlichen Verwandten unterwegs sein. „Wir wurden als MuslimInnen geboren und erzogen und hatten dennoch keine Ahnung, dass der Islam den Frauen Arbeit verbietet. Sie haben diese Ideologien importiert, von den Taliban oder anderen Militanten“, erklärt Abdiwahab Abdi Samad, Geschichtsprofessor an der University of Nairobi im benachbarten Kenia. „Wenn Al Shabaab nicht will, dass unsere Frauen arbeiten, müssen sie ihnen Geld geben, damit die Familien überleben können.“

Eine andere Rebellengruppe, Hizbul Islam, hat die islamistische Haltung von Al Shabaab teils übernommen und setzt auf eine strenge Auslegung der Sharia. Zuvor war Hizbul Islam bei den SomalierInnen für ihre gemäßigtere Ausrichtung bekannt. Beide Gruppen, die früher verfeindet waren, haben gegen die Regierung in Mogadishu gekämpft und sich im Dezember offiziell zusammengetan.

In Afgoye, südlich der somalischen Hauptstadt, erzählt eine alte Frau, wie sie von jungen Männern, die ihre Enkel hätten sein können, öffentlich gepeitscht wurde – weil sie die vorgeschriebene Zelt-ähnliche Uniform nicht getragen hatte. „Sie sagten, dass ich mein altes Gewand nicht mehr tragen darf,“ erzählt Fatuma Ahmed. „Ich bin eine alte Frau und kein Mann sieht mich an. Warum zwingen sie mich, diese schwere Bekleidung anzuziehen?“
quelle

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