Rechtsextreme Türken im Multikultiverein – Graue Wölfe

Bei der Wahl zum Ausländerparlament vergangenen Herbst trat in Frankfurt eine Liste unter dem Phantasie-Namen „Multikulturelles Hilfsbereites Publikum MHP“ an. Dass diese Liste die gleiche Abkürzung wie die Mutterpartei der Grauen Wölfe in der Türkei, Milliyetçi Hareket Partisi, hat, ist kein Zufall: Nach Recherchen von hr-iNFO sind mehrere Kandidaten der Frankfurter Liste dem Verein der Grauen Wölfe in Frankfurt zuzuordnen. Ihr Mitglied im Frankfurter Ausländerparlament, Fayyaz Cetiner, war bis vor knapp über einem Jahr Vorsitzender des Vereins. Weitere Mitglieder der Liste MHP zeigen auf ihren Facebook-Seiten offen ihre Verbindung zu Organisationen der Grauen Wölfe.

Bildungsveranstaltungen für Jugendliche
Ein Interview will Cetiner nicht geben. Am Telefon sagte er, der Verein sei aufgelöst worden. Doch der Verein zog erst vor wenigen Monaten aus einem Hinterhof im Frankfurter Gallus in ein neues großzügiges Vereinsgebäude in Frankfurt-Griesheim. Es gibt eine eigene Moschee sowie Schulungs- und Versammlungsräume, in denen Bildungsveranstaltungen für Jugendliche stattfinden.

Die Frankfurter Integrations-Dezernentin Nargess Eskandari-Grünberg kennt den rechtsextremen Hintergrund der MHP. Doch solange von der Liste keine rassistische oder anti-demokratische Politik in der Kommunalen Ausländervertretung gemacht wird, hält sie sich zurück. „Ich appelliere immer, dass das kommunale Ausländerparlament nicht die Probleme aus dem Heimatland behandelt, sondern die Probleme der Menschen in Frankfurt, die kein Kommunalwahlrecht haben.“

Tabu scheint Konsens zu sein. Mitglieder anderer Listen halten sich mit öffentlicher Kritik an der MHP zurück, auch wenn sie die rassistische und anti-demokratische Gesinnung dahinter ablehnen. In der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurts ist offenbar nicht das Private politisch, sondern das Politische privat.

Neben Frankfurt wurden Mitglieder der Grauen Wölfe auch in Wiesbaden, Wetzlar und Aßlar in Ausländerbeiräte gewählt. Erst durch Medienberichte wurde die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen auf das Thema aufmerksam. Nun wolle man prüfen, ob an den „Anschuldigungen“ etwas dran ist, sagt ihr Vorsitzender Corrado Di Benedetto auf Anfrage. „Wir haben bislang keine Anlass zur Sorge gehabt. Jetzt ist es höchste Zeit, zu schauen, ob auch in unseren Reihen diese politischen Bestrebungen existieren“, sagte Di Benedetto zu hr-iNFO. Das Thema soll auf die Tagesordnung der nächsten Vorstandssitzung kommen.

Marsch durch die Institutionen
Längst haben die rechtsextremen Grauen Wölfe in Deutschland ihren Marsch durch die Institutionen angetreten. Sie sind Mitglied in demokratischen Parteien, treten für Wahlen an und versuchen so, ein ruhiges Umfeld für ihre Vereinsarbeit zu schaffen. Hinter den verschlossenen Türen der Vereine wird weiter die Ideologie des starken Grauen Wolfs verbreitet, der den Kampf gegen die Feinde des Türkentums anführt.

Graue Wölfe fördern Parallelgesellschaft

Die Ideologie der Grauen Wölfe oder Ülkücü-(Idealisten) Bewegung basiert auf Abgrenzung und Überlegenheit der Türken gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen. Ihren Ursprung hat die Bewegung in der Phase nach dem Zerfall des osmanischen Reichs. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden weit verbreitete rassistisch motivierte Verschwörungstheorien gegen Armenier, Kurden, Juden, Amerikaner oder Europäer vom Begründer der Bewegung, Alparslan Türkes, in eine politische Bewegung gebündelt.

Bis heute bildet der Kampf gegen die „Feinde des Türkentums“ den politischen Kern der Bewegung. Die Gegner gilt es zu besiegen, um ein groß-türkisches Reich zu schaffen, in dem alle Turk-Völker vereint leben. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion hat diese Großmachtphantasie wieder enorm an Ausstrahlung gewonnen, weil wieder viele türkisch-sprachige Länder eigenständig geworden sind.

Die Mutterpartei der Bewegung in der Türkei, MHP, gibt sich heute moderat und versucht den in der Türkei stark vertretenen Nationalismus für sich zu nutzen. Ihrer grundsätzlich rassistisch, anti-demokratischen Vorstellung der Überlegenheit des Türkentums gegenüber anderen Gruppen, die als Feinde stigmatisiert werden, hat sie nie abgeschworen. In Deutschland achtet ihr Ableger, die Türk Federasyon (ADÜTDF) seit längerem darauf, dass keine Gewalt oder Gesetzesverstöße von ihren Mitgliedern ausgehen.

Doch ideologisch bereitet sie weiter den Nährboden für eine demokratiefeindliche Gesinnung. „Durch ihr teilweise extrem nationalistisches Gedankengut verfolgt die ADÜTDF Bestrebungen, die sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung oder das friedliche Zusammenleben der Völker richten“, schreibt das Landesamt für Verfassungsschutz NRW als Begründung, dass es die Türk Federasyon und ihre Ortsvereine beobachtet.

Verfassungsschützern und Pädagogen bereitet die seit mehreren Jahren stark zunehmende Verbreitung der Ideologie der Grauen Wölfe unter hier lebenden türkisch-stämmigen Jugendlichen Sorge. In selbst gefertigten Hass-Videos verbreiten Jugendliche über das Internet Bilder und Phantasien von der Überlegenheit des Türkentums und werten andere Gruppen ab. „Die Videos enthalten kurden-, homosexuellen-, juden-, armenier- und USA-feindliche Aussagen sowie obszöne und beschimpfende Darstellungen. Sie hetzen gegen das friedliche Zusammenleben der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppierungen und fördern damit auch in der Bundesrepublik Deutschland das Entstehen von Parallelgesellschaften“, schreibt der Verfassungsschutz NRW.

Populäre Musik im Stil von Rap oder Hip-Hop, Konzerte sowie Kult-Gegenstände wie Jacken oder T-Shirts mit Wolfszeichen sorgen für eine starke Verbreitung unter hier aufwachsenden Jugendlichen. Inwiefern dieser Pop-Nationalismus durch die Vereine der Grauen Wölfe aktiv gefördert wird, ist offen. Allerdings ist keine Verurteilung der gewaltverherrlichenden oder menschenverachtenden Äußerung seitens der Türk Federasyon oder ihrer Mitgliedsvereine bekannt.

Die Arbeitsteilung erinnert an die zwischen der NPD und den so genannten Kameradschaften. Die Vereinsmitglieder geben die Biedermänner, während sich die Jugendlichen durch die von den Altvorderen verbreitete Ideologie zu ihren Gewalt-Phantasien inspirieren lassen.

HR Online

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