Wikileaks ein Glücksfall für Israel – zeigt es die Verlogenheit der Araber

Aus den Depeschen ergibt sich ein realistischeres, weniger geschöntes Bild der Welt – man erkennt, wie gefährlich sie ohne die USA wäre.

Die Angst der arabischen Länder vor dem Iran

Nirgendwo in der Welt ist die Diskrepanz so groß zwischen dem, was öffentlich gesagt und dem was hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Die Amerikaner werden in den staatlich gelenkten Medien gerne für alles verantwortlich gemacht, was in den arabischen Ländern schiefläuft und ausgiebig wird auch gegen Israel gewettert.

Aus den Depeschen ergibt sich dann ein ganz anderes Bild: Im vertraulichen Gespräch zerreißen sich die Potentaten am Golf, in Kairo, Amman und Beirut den Mund über den Iran und seine Atombombenpläne und wollen erreichen, dass Amerika und Israel ihnen dieses Problem vom Hals schaffen – am besten militärisch. Und natürlich ohne, dass sie sich öffentlich zu den eigenen nationalen Interessen bekennen müssten oder gar selbst einen Finger rühren. Die Drecksarbeit sollen bitteschön die machen, die man öffentlich gerne an den Pranger stellt.

„Die Saudis wollen die Iraner stets bis zum letzten Amerikaner bekämpfen“, bemerkt Verteidigungsminister Bob Gates sarkastisch gegenüber dem damaligen französischen Verteidigungsminister Hervé Morin im Februar dieses Jahres. Es sei an der Zeit, dass die Saudis sich selbst ins Spiel begeben würden. Das sagen die Amerikaner den Golfanrainern schon seit Jahren, geändert hat sich an deren öffentlichen Auftreten seither wenig. Nach den Wiki-Leaks verhindern sie nun sogar, dass ihre Medien über die brisanten Inhalte der Depeschen berichten. Das gilt auch für den sonst so forsch auftretenden Fernsehsender al-Dschasira.

Obama ist kein idealistischer Naivling

Am Iran-Dossier zeigt sich besonders deutlich: Barack Obama ist in der Außenpolitik keinesfalls der idealistische Naivling, als der er manchmal dargestellt wird. Und der Regierungswechsel hat auch keine fundamentalen Veränderungen der amerikanischen Interessen gebracht. Von Anfang an war Obama offenbar skeptisch, ob Teheran seine ausgestreckte Hand ergreifen würde, und bereitete deshalb parallel die Verschärfung der Druckkulisse vor. Das hat zwar bisher noch zu keiner Verhaltensänderung Irans geführt.

Aber die Depeschen zeigen, mit welchem Geschick die Amerikaner vorgegangen sind. Der Verzicht auf George W. Bushs Raketenabwehrpläne in Osteuropa ebnete den Weg für die russische Zustimmung zu härteren Sanktionen gegen Teheran (auch wenn sie schlecht gegenüber den osteuropäischen Verbündeten kommuniziert worden waren).

Noch erfindungsreicher gingen die Amerikaner gegenüber China vor. Sie wussten, dass Peking sich immer wieder schützend vor Teheran gestellt hatte, weil die Chinesen ihren Energienachschub nicht gefährdet sehen wollten. Daraufhin überredeten die Amerikaner die Saudis, den Chinesen Energiegarantien zu geben, für den Fall, dass Iran seine Lieferungen einstellen würde. Das war ausschlaggebend für die Zustimmung Pekings zu härteren UN-Sanktionen.

Diese Beispiele zeigen, dass Diplomatie im Nahen und Mittleren Osten oft einer Partie dreidimensionalen Schachs ähnelt – und dass die Amerikaner dieses Spiel durchaus zu spielen verstehen.

Die Wikileaks-Depeschen sind eine Katastrophe für die Diplomatie. Aber sie sind auch ein Glücksfall für jeden, der sich ein wenig für Außenpolitik interessiert. Weil die Welt uns in den Depeschen so gegenübertritt, wie sie ist, und nicht, wie man sie sich im multilateral gestimmten Europa gerne vorstellt. Das gilt für die Bedrohung, die arabische Staaten durch den Iran und seine Klienten Hamas und Hisbollah empfinden – der libanesische Verteidigungsminister hat dem US-Botschafter 2008 gar Tipps gegeben, wie Israel die Hisbollah im nächsten Krieg zerstören könnte.

Es gilt aber noch mehr für die Türkei. Die Depeschen zeigen, wie weit die Islamisierung der Türkei fortgeschritten ist und wie sehr führende türkische Politiker das antiwestliche Weltbild des klassischen arabischen Islamismus teilen. Willkommen in der realen Welt.

Welt

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One Response to Wikileaks ein Glücksfall für Israel – zeigt es die Verlogenheit der Araber

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