Gegen Faschismus und Islamismus

„Christ“ – ein Schimpfwort

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Die Autorin arbeitet als Lehrerin an einer Förderschule, die meisten ihrer Schüler sind Muslime. Sie fordert weniger Verständnis und mehr Verantwortung.
VON BETÜL DURMAZ

„Bist du echt Moslem?“ „Warum trägst du kein Kopftuch?“ „Ist doch besser, wenn man ein Kopftuch trägt.“ „Wenn die Deutschen einen ganzen Tag verschwinden würden, man würde sie nicht vermissen.“ Wir befinden uns mitten in Gelsenkirchen, im Stadtteil Neustadt, an der Malteserförderschule. Ein Stadtteil mit nachgewiesenem besonderem Erneuerungsbedarf, wie es im Amtsdeutsch heißt. Viele leer stehende Ladenräume, billiger Wohnraum, der Migrationsanteil liegt weit über dem anderer Stadtgebiete. Wer kann, zieht hier weg.

Die Malteserschule, die inmitten dieses trostlosen Stadtteils liegt, ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt „Lernen“, bekannt geworden durch die ARD-Dokumentation „Hart und herzlich. Eine türkische Lehrerin gibt nicht auf“. Neben libanesischen Mädchen und Jungen besuchen albanische, türkische, kurdische, deutsche Kinder sowie Sinti und Roma diese Schule. Drei von vier Schülern sind Migranten, Deutsche sind also in der Unterzahl.

Auffallend bei den muslimischen Kindern und ihren Familien ist die starke Religiosität. Selbst Unterstufenschüler fasten während des Ramadans, all die körperlichen Belastungen nehmen sie in Kauf. Lernen wird zweit- oder drittrangig. Schwimmunterricht und Klassenfahrten werden gerade bei den muslimischen Mädchen zu unüberwindbaren Hürden. Da ich ebenfalls eine Muslimin bin, beäugen mich muslimische Schüler gerade in dieser Phase besonders kritisch.

„Christ“ ist zu einem gängigen Schimpfwort geworden. Religion wird zu einem Merkmal von Abgrenzung beziehungsweise Ausgrenzung. Religion wertet das Selbstwertgefühl auf, fördert das Gefühl der Zugehörigkeit. Ich erlebe fast täglich eine Hierarchisierung zwischen den Schülern. Ich bin Moslem – ich bin der bessere Mensch, du bist Christ, du isst Schweinefleisch und bist der schlechtere Mensch. Das heißt, wer nicht so lebt wie ich, ist ein Sünder, eine Wertung ist immer mit dabei. Wie kommen solche Äußerungen zustande? Es ist der Nährboden der sozialen Unterschicht in bestimmten Stadtteilen, der solche Auswüchse sprießen lässt. Schüler der migrantischen Unterschicht richten ihre Aggressionen gegen die deutsche Unterschicht.

Merkur

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