Die Linke und die Grenzen der staatlichen Toleranz

Im späten April 1945, knapp zwei Wochen nach der Befreiung des KZs Buchenwald durch die US-Armee, kam es in dem noch immer von Tod und Massensterben gezeichneten Lager zu einer denkwürdigen Begegnung zweier überlebender Häftlinge. Der spanische Kommunist Jorge Semprun hoffte, dass nach dem Verschwinden des Nazismus nun „auch die Lager verschwinden“ würden.

Ein deutscher Genosse namens Anton hört das, „lacht wie verrückt, aber ohne Freude“. Das Ende des Nazismus sei schließlich nicht das Ende des Klassenkampfes, den Wunsch Sempruns, der Wald auf dem Ettersberg möge diesen verfluchten Ort unter sich begraben, hielt Anton für „Verschwendung“. Semprun hat die Begegnung in seinem Roman „Schreiben oder Leben“ geschildert.

„Antifaschismus“ als Allzweckwaffe

Anton sollte recht behalten. Wenige Monate nach der Befreiung wurde neben dem KZ Buchenwald tatsächlich ein sowjetisches Speziallager errichtet, in dem noch Tausende Menschen zu Tode kommen sollten – nicht nur Nazis, sondern auch Sozialdemokraten oder Bürgerliche, die sich der neuen Gleichschaltung in den Weg
stellten.

Unter der Überschrift des Antifaschismus kam es fortan immer wieder zu Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, die RAF bekämpfte einen von ihr halluzinierten bundesrepublikanischen Faschismus. Jorge Semprun brach in den Sechzigerjahren mit der Ideologie des Kommunismus und war fortan nicht mehr bereit, die Opfer von KZs und Gulags in Opfer erster und zweiter Klasse einzuteilen.

Historische Weggabelung der europäischen Linken

Der Streit zwischen Jorge Semprun und Anton in der Lagerbibliothek von Buchenwald markiert eine historische Weggabelung der europäischen Linken nach dem Krieg. Der Spanier Semprun fand trotz Franco-Diktatur letztlich seinen persönlichen Weg in die Freiheit, NS-Opfer wie Anton verirrten sich im nächsten deutschen Totalitarismus. Die Denkschule der Antons findet sich auch heute noch in der Linkspartei, etwa dort, wo die Castro-Diktatur auf Kuba schöngeredet oder die Stasi zu einem harmlosen Kundschafterverein verniedlicht wird.

Die Zahl derer, die sich dem Denken Sempruns verwandt fühlten, ist in der Linken dagegen verschwindend gering. Dass politisch verbohrte Ideologen vor allem durch die Westausdehnung der Linkspartei erheblich an Einfluss gewonnen haben, wurde nicht zuletzt von ihren sogenannten Realpolitikern immer wieder selbst beklagt. Unter dem Hinweis auf eine ordentliche antifaschistische Grundhaltung durfte sich dort fast jeder linksextremistische Sektierer eine neue politische Heimstatt suchen.

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