Türkei, Israel und der asymmetrische Krieg

Beim Konflikt um Gaza schlägt sich die Türkei auf die Seite der Hamas. Sie unterstützt deren Kriegstaktik nach der Devise: je schlimmer, desto besser.

Der 31. Mai dieses Jahres vor der Küste Gazas hat Theorie und Praxis des asymmetrischen Krieges um ein neues Kapitel bereichert. Israelische Kommandosoldaten seilten sich aus dem Hubschrauber auf das Deck der „Mavi Marmara“ ab, die unter türkischer Flagge fuhr, gerieten in einen Hinterhalt und wehrten sich ihrer Haut durch Waffengebrauch.

Was als ungeschickte Kommandoaktion begonnen hatte, endete als PR-Debakel. Die Hamas-Oberen am Strand von Gaza müssen gejubelt haben über das Ergebnis: Die Türkei, Nato-Mitglied und Kandidat für den EU-Beitritt, vertritt die Sache der Hamas, die international, vor allem aber für die atlantischen Staaten, als Terrortruppe gilt. Vor drei Jahren putschte sie sich an die Macht. Wie viele Fatah-Leute damals draufgingen, hingerichtet, in die Knie geschossen oder aus dem 17. Stockwerk gestürzt, hat 2007 niemanden ernsthaft interessiert, nicht die Araber, nicht die Türken.

Die Türken machten sich zum Beschützer der Hamas

Diesmal war alles anders. Die Türkei machte sich zum Beschützer der Hamas. Zu Hause genießt sie nicht den Ruf, mit Unruhestiftern zimperlich umzugehen, beispielsweise unbotmäßigen Kurden. Statt in der ansteigenden Konfrontation auf allen Kanälen zu deeskalieren und die Durchbrechung der Seeblockade von Anfang an zu unterbinden, machte sie sich diese moralisch und politisch zur eigenen Sache.

Mehr noch, sie spielte das Spiel der Hamas: Je schlimmer die Bilder, desto besser für uns. Das galt im kurzen Gaza-Krieg im Januar 2009, als Hamas-Kämpfer sich vorzugsweise in Krankenhäusern und Kindergärten verschanzten, um das Feuer der Israelis werbewirksam zu lenken – und es gilt heute und in Zukunft.

Es geht um die Gewinnung der Fernsehschirme

Denn dies ist die asymmetrische Kriegsführung in der zweiten Variante. Die erste ist Krieg aus dem Hinterhalt, David gegen Goliath, um den überlegenen Gegner in Furcht und Schrecken zu versetzen, der klassische Abnutzungskrieg aus der Mitte der Zivilbevölkerung. Die zweite ist Gewinnung der Fernsehschirme, Hochpeitschen der Empörung, Isolierung und Delegitimierung Israels. Es geht um die Deutungshoheit über das Geschehen und die Rekrutierung jener, die Leon de Winter unlängst in Anlehnung an den Genossen Lenin die „nützlichen Idioten“ nannte.

Der asymmetrische Krieg der zweiten Variante zielt indessen nicht allein auf Israel, sondern auch auf die konservativen Regime der arabischen Welt: Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien. Sie sehen längst in Hamas und Hisbollah den Feind, der von dem Mullah-Regime aus Teheran gesteuert wird. Die Machtgeometrie des Mittleren Ostens ist im Umbruch. Der Krieg der Bilder ist das Mittel der Wahl. Die Türkei Erdogans driftet in den Islamismus. Die Nuklearwaffe in der Faust apokalyptischer Mullahs zeigt Wirkung.
Welt

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