Kelek und Bosbach bei Hahne ZDF

Islam ein System und eine Kultur

Bosbach, Hahne und die Soziologin Necla Kelek (Foto), in Istanbul geborene Soziologin und Autorin, diskutierten anhand des Erfolges des Nationalelf – Kaders von 23 Spielern, davon elf Migranten – das Thema der Integration. Kelek machte deutlich, wie sie den Islam sieht: “Ich rede von einem System und einer Kultur, nicht unbedingt von einer Religion.” Zu der hierarchischen Tradion gehöre das Verharren in Strukturen. Kelek: “Vielen Familien ist es wichtig, die alten Traditionen zu erhalten. Sie sagen, ich lebe viel besser hier als in meinem Dorf oder in meiner Kleinstadt. Wir sind diejenigen, die sie darin stören.”

Zu der kürzlichen Forderung zweier CDU-Politiker, einen Intelligenztest für Migranten einzuführen, sagte Bosbach: Die größte Gruppe der Einwanderung setze sich aus Familien- und Ehegattennachzug zusammen. Bosbach: “Wir können nicht Ali sagen, du, Aisha ist beim Intelligenztest durchgefallen.”

Fehleinschätzungen der Politik

Die deutsche Politik, so Bosbach, habe zwei Fehleinschätzungen zu verantworten. Bosbach: “Wir haben Integration nicht ernst genommen, wir haben gedacht, Gastarbeiter kommen und gehen wieder”. Fehleinschätzung 2: “Wir haben geglaubt, Integration werde automatisch stattfinden, Unterschiede würden sich nivellieren und dann machen wir das ganze Jahr Straßenfest.” Stattdessen erlebten wir heute Abschottung und Parallelgesellschaften. Bosbach: “Den Sozialstaat finden sie alle supertoll. Den Rechtsstaat finden sie auch supertoll, wenn man damit eigene Rechte durchsetzen will.”

Staatliches Gewaltmonopol

Von Peter Hahne darauf angesprochen, dass in Berlin Bezirk existierten, in denen die Scharia gelte und die Polizei sich nicht mehr hineintraue, sprach sich Bosbach dezidiert für die Erhaltung des staatlichen Gewaltmonopols aus: “Das ist nicht wie man uns glauben machen will Deeskalation, das ist Kapitulation. Die Bevölkerung verliert das Vertrauen.”

Kelek sprach sich dafür aus, den türkischen Kindern zu vermitteln , dass Werte wie Meinungsfreiheit und Selbstverantwortung etwas Wertvolles seien.” Ohne das funktioniere die Demokratie nicht. Kelek: “Wenn wir sagen, wir haben unsere Werte, ihr habt eure, dann entsteht schon ein Nebeneinander.”

“Moscheen sind Männerhäuser”

Im Zusammenhang mit der mit einer Million Euro Steuergeldern mitfinanzierten Groß-Moschee in Duisburg (“Wunder von Marxloh”) sprach Kelek von Naivität: “Wir diskutieren an der Oberfläche. Wir müssen fragen, welche Werte werden hier vermittelt und wer kontrolliert sie. Man hinterfragt die Rolle der Imame nicht. Ich bezeichne diese Häuser als Männerhäuser. Die Männer holen ihre Werte von den Imamen, die konservativ und rückständig sind.” Eine Filmeinblendung zeigte Jürgen Rüttgers bei der Eröffnung (“Wir brauchen mehr Moscheen”).

Die Runde fand Konsens darin, dass Imamausbildung und Religionsunterricht Aufgabe des Staates seien. Kelek: “Ich muss fragen dürfen: Wer ist der Autor des Koran. Damit ist man Islamkritikerin. Bosbach hatte nach ähnlichen Äußerungen wie heute an einer “Hart aber fair”-Sendung zum Thema Integration teilgenommen. Zu keinem Thema, bekannte er, habe er in 16 Jahren im Parlament mehr Briefe bekommen. Bosbach:” Gerade bei diesem Thema ist es ausgesprochen schwierig, Daten und Fakten zu nennen, ohne dass der Konter kommt: Ausländerfeindlich.”
Hahne wies darauf hin, dass etwa Polen und Asiaten sich problemlos integrierten und das die muslimischen Einwanderer problematisch seien und wies in dem Zusammenhang auf die Einflüsse des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hin. Dazu Bosbach:

Erdogans “fundamentaler Irrtum”

“Es ist ein fundamentaler Irrtum von Herrn Erdogan, dass Assimilation ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei, sie ist unverzichtbar in Deutschland. Erdogan schein der Ansicht zu sein, das dort wo Türken sind, die Türkei sei. Damit hat er weder sich noch seinen Landsleuten einen Gefallen getan.”

Zur Parallelität Integration und Fußball-Multikulti-Team sagte Bosbach: “Das ist einfach nur Teamgeist.” Der STERN habe eine Story darüber schreiben wollen “oh wie schön ist multikulti”. Der Artikel beweise jedoch das Gegenteil, es gehe nur über Integration. “In ganz erheblichem Maße” sei die Integration ein “Schlüsselthema für die Zukunft” bei den unter Fünfjährigen, bei denen der Migrantenanteil bei “30,40 Prozent” liege.

Deutschlandwoche

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Eine Antwort zu Kelek und Bosbach bei Hahne ZDF

  1. Victor sagt:

    Im Zusammenhang mit der Zuwanderung gibt es leider ein heilloses Begriffswirrwar. Permanent werden die Begriffe „Integration“ und „Assimilation“ verwechselt oder im falschen Kontext verwendet. Der Oberbegriff für den meist gemeinten Vorgang der Anpassung von Zuwanderern an die Mehrheitsgesellschaft ist übrigens „Akkulturation“. Diesen Begriff scheint aber niemand zu kennen.
    Assimilation ist ein viel stärkerer Begriff als Integration. Wenn ein Zuwanderer, etwa nach Deutschland, die deutsch Sprache gut beherrscht, deutsche Gesetze achtet und dem Staat nicht auf der Tasche liegt, ist er integriert. Wie intensiv dabei seine Kontakte zur deutschen Gesellschaft sind oder wie sehr er im Gegenteil im geschlossenen Kreis seiner Landsmannschaft lebt und alte Sitten pflegt, ist dabei ohne Belang und seine private Angelegenheit. Wichtig dabei ist lediglich, dass der Zuwanderer zu einem nützlichen Mitglied der deutschen Gesellschaft geworden ist.
    Assimilation bedeutet dagegen ein vollständiges Aufgehen des Einwanderers in die neue, in unserem Fall deutsche, Gesellschaft, unter vollständiger Aufgabe aller äußeren Merkmale der Ursprungsgesellschaft des Einwanderers. Unter dem demokratischen und dem Nützlichkeitsaspekt ist die Forderung nach der Assimilation der Zuwanderer völlig überflüssig, die Integration ist absolut ausreichend.
    So sehr ich ein Gegner von Erdogan, seiner Großmannssucht und seinen Hetzaktionen gegen Israel bin, mit seiner Aufforderung an die Türken in Deutschland, sich nicht zu assimilieren, hätte er keinen Frevel begangen, hätte er nicht die Assimilation als ein Verbrechen bezeichnet, das sie natürlich nicht ist, höchstens ein abstruses „Verbrechen am Türkentum“.
    So weit ich weiß, sind Chinesen in den USA, Kanada oder Europa nicht unbedingt assimiliert, sicher aber vorbildlich integriert.
    Ich erinnere daran, dass sich die Frage der Assimilation auch bei den europäischen sowie den nach Nordamerika ausgewanderten Juden im 19. und 20. Jahrhundert stellte. Viele Juden haben diese Frage damals für sich positiv beantwortet, viele andere negativ. Letztere wollten, sei es aus religiösen, sei es aus nationalen Gründen nicht vollständig in der Mehrheitsgesellschaft aufgehen. Wir wissen heute, dass die perfekte Assimilation der Juden den antisemitischen Druck auf die Juden, zumindest in Deutschland und in Osteuropa nicht vermindert, sondern im Gegenteil verstärkt hat, bis hin zu Auschwitz. Auch das ist ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit der heutigen Diskussion über die Zuwanderung, bzw. als „fremd“ empfundene Minderheiten, in einem als national homogen definierten Staat.

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