Der gerechte Kampf gegen den bösen Imperialismus

Antiimperialismus ist im Mainstream angekommen. Dabei vergessen naive Gutmenschen, mit wem sie sich einlassen, wenn Islamisten und Radikale von Menschenrechten reden.

Unter allen Figuren der linken Ideologie ist der Antiimperialismus wohl die widersprüchlichste und die hartleibigste. Sie gründet auf einem Weltbild, das allein das Schlechte, Fatale jedes Imperiums betont: Sie hob immer die Fremdherrschaft hervor und leugnete, wie beim Römischen Imperium, jeglichen Fortschritt in Gesellschaft und Alltag der Menschen.

Im 20. Jahrhundert war es der kapitalistische Imperialismus als Ausdruck weltweiter Macht, Unterdrückung, Krieg und Faschismus. Der deutsche Nationalsozialismus und seine mörderische Spur waren demnach nur seine Folge. Je kälter der Krieg nach 1945 wurde, desto unterschiedsloser betrachteten die Ideologen des Antiimperialismus die Staaten des Westens; sie alle gehörten zum neuen Hauptfeind, den USA.

Antiimperialisten stehen per se auf der richtigen Seite

Antiimperialisten standen dagegen per se auf der richtigen, der friedlichen, antifaschistischen, der antiimperialistischen Seite. Dass zu ihren Bündnispartnern auch die schlimmsten Feudalherren, die übelsten Rassisten, die unerbittlichsten Gegner jeglicher Emanzipation gehörten, spielte keine Rolle. Im Gegenteil: Sie wurden zu nationalen Befreiungsbewegungen stilisiert.

Antiimperialistisch zu sein gehört heute zum guten Grundton verschiedenster politischer Strömungen – von der islamistischen Milli Görüs über die radikale Linke bis zu den Autonomen Nationalisten und ihren bürgerlichen Varianten. Menschenrechte sind immer konkret universell. Wenn die Antiimperialisten dabei nur die USA und Israel als Täter und Verursacher bekämpfen, sind die Menschenrechte einer Gefährdung ausgesetzt. Sie werden antiimperialistisch relativiert.

Wer sich mit homophoben, rassistischen, frauenfeindlichen und antisemitischen Gruppen einlässt, wie unlängst bei der Gaza-Flottille, um „den Imperialismus“ in Gestalt Israels zu bekämpfen, untergräbt das Normative der Menschenrechte, die demnach nur für politisch Auserwählte zu gelten haben. Solche Unterscheidung ist kalt und rassistisch. Der Antiimperialismus heute bleibt, was er seit Lenin war: ein Mittel zum Zweck, das Menschen als moralische Munition missbrauchen, um sie selbst nie anwenden zu müssen.

Welt

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