Linke Kritiker – Linke in der Tradition des Nationalsozialismus

Judenhass ist unter Rechtsextremen verbreitet – dies wird zu Recht nicht nur im linkspolitischen Spektrum kritisiert. Doch wenn
er sich in der arabischen Welt äußert, schweigen die Kritiker – und stellen sich teilweise sogar auf die Seite der Antisemiten.

Elisabeth Hausen
Der 2004 verstorbene Palästinenserführer
Jasser Arafat war in linken
Kreisen beliebt. So schrieb „Die
Zeit“ kurz nach dem Tod des langjährigen
Fatah-Chefs: „Arafats Karriere als
linksradikales Idol begann in Deutschland
und Frankreich mit der Studentenbewegung,
endete aber hierzulande
nicht mit ihr, sondern setzte sich
fort im Milieu der Hausbesetzer und
Autonomen der achtziger Jahre, deren
Stammesmerkmal (ein frei gewähltes
Stigma) das sonst längst aus der Mode
geratene PLO-Tuch war.“ Was die Fans
dabei nicht beachteten: Arafat sah sich
in der Nachfolge des Großmufti von
Jerusalem, mit dem Adolf Hitler eng
zusammenarbeitete und der mehrere
Jahre im Berlin der NS-Zeit lebte. Gegenüber
einer palästinensischen Tageszeitung
bezeichnete der PLO-Chef den
Mufti Hajj Muhammad Amin el-Husseini
als „unseren Helden“.
Der Jurist Tilman Tarach beschreibt
in seinem Buch „Der ewige Sündenbock“
eine weitere Verknüpfung zwischen
Extremisten des linken und
rechten Spektrums: „Arafat galt und
gilt jedenfalls oft schon deswegen als
‚Rebell‘, seine Bewegung wird manchmal
schon deswegen als fortschrittlich
eingeschätzt, weil die als links geltende
deutsche ‚Rote Armee Fraktion‘ in jordanischen
Palästinenserlagern trainierte
(…); niemand erinnert sich aber
daran, dass in denselben PLO-Stützpunkten
auch die genuin neofaschistische
‚Wehrsportgruppe Hoffmann‘
trainierte.“ Und zu den RAF-Angehörigen
seien laut einem Bericht von Horst
Mahler die Fedajin mit Hitlerbildern
gekommen und hätten gesagt: „Guter
Mann!“.
Der Autor stellt fest: „Während
hierzulande die NS-
‘Vergangenheitsbewältigung‘ desto
schriller vollzogen wird, je länger das
Dritte Reich vergangen ist, lässt man den
arabischen Antisemitismus sowie seine
Geschichte und Aktualität umstandslos
durchgehen.“ Weiter schreibt Tarach mit
Bezug auf das antisemitische Pamphlet
„Die Protokolle der Weisen von Zion“
vom Ende des 19. Jahrhunderts: „Während
Hitler um so heftiger angeklagt
wird, je länger er tot ist, verschweigt oder
verharmlost man den Charakter und die
ganz erhebliche Verbreitung der Protokolle
sowie ihre Vorbildfunktion für die
Nazis. Der Grund liegt wieder einmal
darin, dass die Verbreitung des Traktats
heute vorwiegend von muslimischer Seite
ausgeht und praktisch immer gegen
Israel gerichtet ist.“
Bereits 1924 stellte die jüdische Sozialistin
Clara Zetkin in einem Schreiben
an den IX. Parteitag der Kommunistischen
Partei Deutschland fest, dass
zur „linken“ Parteimehrheit auch „faschistische
Antisemiten“ gehörten. Darauf
weisen die Autoren des Buches
„Die deutsche Linke, der Zionismus
und der Nahostkonflikt“ hin. Der Abgeordnete
der „Linkspartei“, Wolfgang
Gehrcke sowie die Politikwissenschaftler
Jutta von Freyberg und Harri Grünberg
beanstanden allerdings, dass Kritik
an Israels Politik „vor allem von israelischer
Regierungsseite und allen, die
diese unterstützen, mit der Beschuldigung
des Antisemitismus abgewehrt“
werde. Auch lassen sie deutlich werden,
dass aus ihrer Sicht die Palästinenser
schon deshalb zu unterstützen
seien, weil sie unterdrückt würden.
Die Verfasser stellen die Frage: „Welche
Verantwortung hat nun Deutschland,
haben die Linken gegenüber den
Palästinenserinnen und Palästinensern,
die für das Holocaust-Verbrechen
und für das europäische Versagen
einen bitteren Preis zu zahlen gezwungen
sind?“ Sie kommen zu dem
Schluss: „Wenn Deutschland grundlegend,
unauflöslich mit Israel verbunden
ist, zwingt schon die Logik, anzuerkennen,
dass Deutschland ebenfalls
verbunden ist mit dem Schicksal der
Palästinenserinnen und Palästinenser:
mit Israel durch das deutsche Menschheitsverbrechen,
mit dem palästinensischen
Volk durch die Folgen dieses
Verbrechens. Diese Verbindung mag
unterschiedlich von der Ausgangsbestimmung
und in ihrer moralischen
Dimension sein, ist aber dennoch existent.“
Tarach hingegen vermerkt am Ende
seines Buches, das Verhältnis der Linken
zu Israel habe sich als „Lackmustest“
erwiesen. „Wer unter Hitler Denunziant
oder KZ-Wächter geworden
wäre, fand nun also Gefallen an der
Forderung ‚Juden raus aus Palästina‘
(die sich hinter antiimperialistischen
Phrasen notdürftig versteckte).“

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