Knobloch warnt vor linkem und muslimischen Antisemitismus

Gerne wird in linken Kreisen Kritik an Israel geübt – oft aus antisemitischen Motiven, wie die Präsidentin des Zentralrats der Juden warnt. Auf WELT ONLINE spricht Charlotte Knobloch auch über die Konflikte mit dem Vatikan und wehrt sich gegen Vergleiche zwischen Antisemitismus und Islamophobie.

Im Gegenteil, wir sehen uns leider mit wachsenden antijüdischen Vorurteilen besonders unter muslimischen Jugendlichen konfrontiert. Dagegen sollten wir gemeinsam vorgehen.

WELT ONLINE: Sie machen sich stark für ein Verbot der NPD und ein schärferes Vorgehen gegen neonazistische Umtriebe. Übergriffe gegen Juden werden aber immer häufiger von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund begangen. Hat sich der Zentralrat bisher vielleicht zu einseitig auf die rechtsextreme Gefahr konzentriert und den islamistischen Antisemitismus unterschätzt?

Knobloch: Ich würde sagen, diese Gefahr hatte lange keine Aktualität. Ich selbst bin erst durch persönliche Gespräche mit Lehrern darauf aufmerksam geworden, wie schwierig es ist, die Vergangenheit Deutschlands und die Existenz des Staates Israels im Unterricht mit muslimischen Jugendlichen zu diskutieren. Da wurde mir erst die ganze Problematik bewusst, die damit auf uns zukommt. Insofern haben wir das Thema vielleicht tatsächlich unterschätzt.

WELT ONLINE: Bei dem rechtsextremen Antisemitismus weiß man zumindest sofort, woran man ist. Verbirgt sich aber nicht auch hinter dem „Antizionismus“ und der „Israelkritik“ der Linken bisweilen Judenfeindschaft?

Knobloch: In der Tat sind die Linken in dieser Hinsicht jahrelang falsch eingeschätzt worden. Das war ein großer Fehler – von allen, auch von uns im Zentralrat. Aussagen, die mir von dieser Seite zu Ohren kommen, sind absolut mit denen der Rechten gleichzusetzen. Sagte man nicht dazu, von woher sie stammen, würde ich sie für Aussagen von Rechts halten. Die Linke hat sich inzwischen derartig eindeutig antiisraelisch bis antijüdisch positioniert, dass dieses Problem unbedingt mit der Bekämpfung des Rechtsextremismus gleichgestellt werden sollte. Ich habe das früher nicht geglaubt, jetzt aber schon.

Welt

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