Necla Kelek für die Zweifel „Der Islam braucht Kritik“

Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern auch ein Herrschaftssystem, sagt die Soziologin Necla Kelek. Mit diesem „System Islam“ will Kelek brechen. Sie fordert einen modernen Islam: „Wir müssen es schaffen soweit zu gehen, dass wir sogar Allah in Frage stellen, Atatürk in Frage stellen, unsere eigenen Väter und Brüder in Frage stellen, um mit ihnen friedlich leben zu können.“

n-tv.de: Ihre Kritik am Islam richtet sich vor allem gegen seinen politischen Anspruch, gegen seinen Drang zur Allmacht. Was ist anders am Islam als am Christentum?

Necla Kelek: Das Christentum hat es geschafft, das Gewissen als Instanz aufzubauen; das Christentum ist eine an das Gewissen gerichtete Religion, die auf die Erkenntnis des Individuums baut. Dadurch wird der Mensch verantwortlich für sein Handeln. Der Islam fordert von den Gläubigen strikten Respekt gegenüber den Älteren. Die Jüngeren sollen einfach nachsprechen, was man von ihnen verlangt. Dadurch sind Neugier und Zweifel aus der Welt.

Sie sprechen vom „System Islam“. Was meinen Sie damit?

Die zahlreichen Ge- und Verbote haben aus dem Islam ein Herrschaftssystem gemacht, in dem Religion und Politik, Privates und Öffentliches nicht getrennt sind. Nicht das Gewissen überwacht die Einhaltung der göttlichen Regeln, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen, die „Umma“: Ihrer Kontrolle ist jeder einzelne Gläubige unterworfen.

In Ihrem Buch „Himmelsreise“ schreiben Sie: „Die Abgrenzung gegenüber anderen – durch das Kopftuch, das Verheiraten der Söhne oder Töchter mit Partnern aus der ‚reinen‘ Heimat, die Verunglimpfung all jener, die Bier trinken und Schweinefleisch essen, die blutigen Traditionen der Beschneidung und des Opferfestes -, all das wird zur Demonstration einer ‚kollektiven Selbstvergewisserung‘. Es ist die Absage der Muslime an die aufgeklärte Gesellschaft.“ Ist denn ein Islam, der mit Demokratie, Pluralismus und Menschenrechten kompatibel ist, überhaupt vorstellbar?

Was halten Sie vom Schweizer Minarett-Verbot?

Ich habe das Ergebnis als Signal dafür aufgefasst, dass viele Menschen Angst haben, viele Fragen haben und keine Antworten bekommen. Viele Muslime vertreten ihre Anliegen nach außen nicht positiv, sondern fordern nur ihre Rechte ein; was hinter den Mauern der Moscheen passiert, soll keiner erfahren, die Demokratie wird ausgesperrt. Das haben viele Schweizer sich nicht gefallen lassen.

Die Muslime müssen dafür sorgen, dass Islam und Demokratie vereinbar werden. Viele der muslimischen Regeln haben mit dem Islam als Religion, als Glaube, als Philosophie nichts zu tun. Einige der angeblich muslimischen Traditionen gab es schon vor dem Islam. Der Islam als System hat es nicht geschafft, sich von Traditionen wie Blutrache, Zwangsehen und dergleichen zu befreien. Die Muslime müssen diese Regeln von der Religion lösen, damit der Islam als Glaube gelebt werden kann und nicht als strenges Regelwerk……

NTV

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