Alles, bloß kein Kopftuch

Februar 2, 2010

20 fachlich hochqualifizierte, kluge Frauen, die sich zusammengeschlossen haben in der neuen Initiative und vor allem eines nicht wollen: das Kopftuch. Keine von ihnen trage Kopftuch, betont die Zahnärztin Dr. Ezhar Cezairli. In ihrer Vereinigung seien Kopftuch tragende Frauen absolut unerwünscht. «Weil wir ausdrücklich dem in Deutschland vorherrschenden Klischee der Kopftuch tragenden, unterdrückten, ungebildeten und tief im Islam verwurzelten Migrantin entgegentreten wollen», sagt Ezhar Cezairli. Sie fordert ein absolutes Kopftuchverbot in deutschen Schulen, Hochschulen, Behörden.

Die Religion und deren Ausübung gehört für die progressiven Frauen nämlich, wie sie betonen, in den Privatbereich. Hier zu Lande aber werde Integration in der Weise missverstanden, den weitreichenden Forderungen muslimischer Verbände bereitwillig nachzugeben. Cezairli: «Das führt in die falsche Richtung.»

Dass die politisch Verantwortlichen die Eingliederungsdebatte vornehmlich mit großen muslimischen Verbänden führten, die sich ausgäben als Interessensvertreter der Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime, bedürfe der Korrektur. Allenfalls 20 Prozent der Muslime seien überhaupt organisiert. Die Zahnärztin kritisierte zudem, dass Integration vor allem angegangen werde über religiöse Themen wie die Schulung von islamischen Vorbetern, den Imamen, und Islam-Unterricht an Schulen. «Ich bin dagegen, dass meine Steuern für die Ausbildung von Imamen ausgegeben werden», betonte Cezairli, die auch Mitglied der Deutschen Islamkonferenz ist….
Frankfurter Neue Presse

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„Palästinenser werden im Libanon und in Jordanien schlecht behandelt“

Februar 2, 2010

Die Organisation „Human Rights Watch“ hat die Regierungen im Libanon und Jordanien wegen schlechter Behandlung von Palästinensern kritisiert. Am Dienstag veröffentlichte die Menschenrechtsbewegung ihr Jahresgutachten.

Saudi-Arabien, Syrien, Jemen und der Libanon hätten versäumt, die häufige Anwendung von Folter zu verhindern, heißt es in der Stellungnahme. Der Libanon habe zudem die Notlage von rund 200.000 eingetragenen palästinensischen Flüchtlingen missachtet. Jordanien wurde dazu aufgerufen, Menschen palästinensischer Herkunft nicht ihrer jordanischen Nationalität zu entziehen.

Länder wie Jordanien, der Libanon und Saudi-Arabien hätten die Rechte der Frauen trotz vieler Möglichkeiten nicht gestärkt, heißt es in der Stellungnahme. „Einige Regierungen im Nahen Osten haben Bemühungen zur Stärkung von Menschenrechten unterdrückt. Zudem haben sie darin versagt, Rechte von Arbeitern mit Migrationshintergrund zu schützen.“

Weiter wurden so genannte „Ehrenmorde“ sowie häusliche Gewalt von „Human Rights Watch“ verurteilt. Die Organisation kritisierte, dass viele Firmen ausländische Angestellte nicht bezahlen oder unterbezahlen und unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten lassen. „Die Regierungen im Nahen Osten müssen erkennen, dass die Rechte von Minderheiten, Flüchtlingen und Staatenlosen besser geschützt werden müssen“, sagte Sarah Leah Whitson, Leiterin der Menschenrechtsorganisation im Nahen Osten.

Quelle


Großbritannien: Moslems erziehen schon Kleinkinder dazu, „Ungläubige“ zu hassen

Februar 1, 2010

In Großbritannien warnt die Polizei jetzt öffentlich vor islamischen Hass-Videos, mit denen muslimische Kleinkinder in Großbritannien schon im Alter von drei Jahren dazu erzogen werden „Ungläubige“ zu hassen und darauf vorbereitet werden sollen, „Ungläubige“ zu ermorden. Die britischen Behörden sind entsetzt über den Rassenhass der im Land lebenden Mohammedaner gegenüber Nicht-Moslems (Quelle: Telegraph 1. Februar 2010).
Quelle


Benz: Ein Hetzer ohne Ahnung

Februar 1, 2010

Der „Islam“ und die in Europa durchaus verbreitete Angst vor ihm gibt es erst seit zehn, zwanzig oder höchstens dreißig Jahren. Wahrscheinlich aber erst seit dem 11. September 2001. Bis dahin war der Islam gar kein Diskussionsthema.

Ein Jahr danach, im Dezember 2002, hatte der extremistische Scheich Jusuj Qardawi aus Qatar, heute bekannt als einer der einflussreichsten islamistischen Prediger, erklärt: „Nach Konstantinopel werden Rom und der Rest Europas folgen. Es gibt Zeichen, dass der Islam nach Europa als Eroberer zurückkehrt und triumphieren wird. Ich glaube, dieses Mal werden wir Europa erfolgreich erobern, nicht mit dem Schwert, sondern durch die Verbreitung islamischer Ideologie.“ Heute würde jede Nachrichtenagentur einen solchen Spruch als berichtenswert aufgreifen und die „Angst vor dem Islam“ zusätzlich schüren. Im Dezember 2002 beschied eine Redakteurin der Katholischen Nachrichtenagentur in Bonn: „Einen derartigen Schwachsinn verbreiten wir nicht.“ Wenn es damals, vor sieben Jahren schon die heutige Diskussion über Islam oder eben „Islamkritik“ gegeben hätte, wäre ein derartiger Spruch des in der islamischen Welt bekanntesten, aber in Deutschland noch völlig unbekannten islamischen Ideologen, nicht im Papierkorb gelandet.

„Nicht jeder Moslem ist ein Terrorist, aber (fast) jeder Terrorist ist ein Moslem.“ Dieses geflügelte Wort wird inzwischen den Sicherheitsleuten auf Flughäfen in aller Welt eingeschärft. Das Problem bei diesem vermeintlich diskriminierenden Spruch sind nicht jene Terroristen, die mit einem „Allah uakbar“ auf den Lippen in New York, London, Madrid, in Israel, Libanon, Pakistan, Irak und Indien, in Tschetschenien, in der Türkei und in Ägypten als Selbstmordattentäter Massenmorde begehen. Das Problem ist vielmehr „der“ Islam. Islamische Geistliche schweigen nach besonders mörderischen Attentaten, die durchaus „im Namen der Religion“ verübt wurden. Andere bieten Rechtfertigungen, oder finden Verschwörungstheorien. „Die vermeintlichen Attentäter vom 11. September 2001 besaßen doch gar keine Flugzeuge“, sagte mir der damalige Jerusalemer Mufti, Ekrem el Sabri, just an dem Tag, an dem in Bagdad die Amerikaner Saddam Hussein vom Sockel stürzten, am 9. April 2003. Deshalb hätten der CIA oder der Mossad das World Trade Center zum Einsturz gebracht, behauptete der Mufti.

Im Januar 2002, nach Selbstmordattentaten in Israel und dem 11. September kam es zum ersten „dramatischen“ interreligiösen Gipfel in Kairo, an dem sich der anglikanische Erzbischof von Canterbury und führende Rabbiner aus Israel beteiligten. Erstmals wurde in der sogenannten „Alexandria Deklaration“ Massenmord im Namen Gottes scharf und eindeutig als Sünde verurteilt. Die Repräsentanten des Islam waren dabei der Großscheich von Al Azahr in Kairo, Scheich Mohammed Sayed Tantawi, die höchste Autorität des sunnitischen Islam, und Sheikh Taisir Tamimi, Oberrichter der Scharia Gerichte der palästinensischen Autonomiebehörde. Tamimi wurde zu einer Berühmtheit, weil er entgegen dem Protokoll beim Besuch von Papst Johannes Paul II sowie beim Besuch von Papst Benedikt XVI im Heiligen Land die Gelegenheit nutzte, mit hasstriefenden Hetzreden zur Zerstörung des jüdischen Staates aufzurufen. Scheich Tantawi hatte schon einen Tag nach der Unterzeichnung der Erklärung von Alexandrien eine Fatwa (Richtspruch) veröffentlicht, in der er ausdrücklich Selbstmordattentate gegen Aggressoren und Besatzer befürwortete.

Benz verkennt, dass der Islam eine Massenreligion mit Milliarden Anhängern in zwei Dutzend Staaten mit den größten Ölvorkommen der Welt, riesigen Armeen und durchaus antiwestlichen Ideologien ist. In Pakistan war schon die Rede von der „islamischen Bombe“, als Pakistan Atommacht wurde. Irans Rhetorik gegen den Westen mitsamt seinem Streben nach der Bombe werden nicht mit pragmatischem Machtstreben gerechtfertigt, sondern mit islamisch-theologischen Vorstellungen vom Mahdi (Messias) und einem apokalyptischen Endzeitkrieg.

Möge Benz in der langen Geschichte des zahlenmäßig bis heute winzigen jüdischen Volkes (nur 13 Millionen Menschen weltweit), bis 1948 überall nur eine Minderheit, eine historische Parallele zu der vermeintlichen, empfundenen oder tatsächlichen Bedrohung der Welt finden, wie sie heute teilweise islamischen Ländern ausgeht. Niemals und nirgendwo, gewiss nicht in Deutschland, stellten die Juden jemals eine akute Gefahr für den physischen Bestand des deutschen Volkes dar. Bis zur Gründung Israels gab es weder eine jüdische Armee noch eine jüdische Atombombe. 1973 jedoch war die arabische Welt fähig, die gesamte Welt mit einem Ölboykott unter Druck zu setzen, damals allerdings noch nicht mit islamischen Argumenten.

Ungeachtet der Frage, ob die Angst der Deutschen vor „den“ Moslems gerechtfertigt, übertrieben oder nur eine Phobie ist, kann selbst Benz nicht wegdiskutieren, dass die islamisch/arabische Welt mit automatischen Mehrheiten in der UNO, mit seinen Geldreserven, dem Öl und nicht zuletzt mit militärischen Mitteln dem Westen und nicht nur Israel oder den USA die Stirn bietet. Das ist ein Phänomen, das niemals und nirgendwo von den Juden ausging. Selbst das antisemitische Argument einer vermeintlichen „jüdischen Weltherrschaft“ lässt sich nicht vergleichen mit der tatsächlichen oder vermuteten Gefahr, die heute von einigen islamischen Staaten ausgeht oder ausgehen könnte, falls etwa El Qaeda Zugriff auf die pakistanische Atombombe erhalten sollte oder Ägypten an die Moslembrüder fallen sollte. El Qaeda im Jemen, die Hisbollah im Libanon und die Hamas in den Palästinensergebieten liefern jetzt schon beängstigende Beispiele für mögliche Entwicklungen auch in anderen Teilen der arabisch/islamischen Welt, vom Mullah-Regime im Iran ganz zu schweigen……
Hagalil


Indonesien: Mit der Scharia-Polizei unterwegs

Februar 1, 2010

Ehebrechern droht Steinigung

Bereits Ende vergangenen Jahres löste ein neues Gesetz in Aceh weltweit einen Aufschrei der Empörung aus. Danach droht Ehebrechern die Steinigung. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einem ungerechtfertigten Eindringen des Staates in die Intimsphäre der Menschen und von einem Bruch der indonesischen Verfassung. Auch Nur Kholis, von der indonesischen Kommission für Menschenrechte beklagte, dass durch die Steinigung gegen nationales indonesisches Recht verstoßen werde. Das Autonomie-Gesetz für Aceh sei jedoch stärker. “Ja das ist ein Verstoß gegen nationales Recht, denn im allgemeinen Gesetzbuch ist die Steinigung als Strafe nicht vorgesehen“, sagt er. “Aber Aceh hat eine gewisse Autonomie, deshalb ist es sehr schwer für uns, sich energisch dagegen auszusprechen.“

Während bislang nur in der Provinz Aceh die Scharia gilt, wollen auch andere Provinzen und Regionen in Indonesien das islamische Recht einführen. Erst kürzlich haben religiöse Führer in Ost-Java den muslimischen Gläubigen verboten, schon vor der Hochzeit Hochzeitsfotos machen zu lassen. Und in Bandung in Zentral-Java machten Mitglieder muslimischer Gruppen vor einigen Monaten Razzien in Hotels, auf der Suche nach unverheirateten Paaren….
SWR


„Den Muslimen fehlt die Selbstkritik“

Februar 1, 2010

Die in der Türkei geborene deutsche Soziologin und Buchautorin Necla Kelek über die aktuelle Debatte zur Islamkritik, muslimische Funktionäre und die Überwindung der Scharia.

Die Welt: Sie gelten als „Islamkritikerin“. Was ist das eigentlich genau?

Necla Kelek: Die mich so bezeichnen, können das sicher besser beantworten. Ich glaube, dahinter steckt eine bestimmte Absicht, die nicht positiv ist. Ich habe Soziologie und Volkswirtschaft studiert, habe über „Islam im Alltag“ promoviert und beschäftige mich mit den gesellschaftlichen Dimensionen dieser Religion. Ich bin eine Muslimin, die sich kritisch mit ihrer Religion auseinandersetzt und den Islam für die Bürgergesellschaft öffnen will.

Die Welt: Wie kamen Sie zu Ihrem Lebensthema?

Kelek: Als ich zu studieren begann, war ich zunächst froh, der türkisch-islamischen Community entflohen zu sein, und habe mich ausschließlich mit „westlicher“ Philosophie und Methodik beschäftigt. Aber auch als Migrantin entgeht man seiner Sozialisation nicht, indem man ihr entflieht. Ich habe mich mit der Lage der türkischen Frauen in der Fremde beschäftigt. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte das Thema mich gesucht. Irgendwann konnte ich nicht mehr wegschauen. Was in der türkischen Community vor sich geht, ist weit entfernt von dem, womit sich die herrschende Migrationsforschung beschäftigt.

Die Welt: Warum schwillt immer wieder die Kritik an Ihrer Person und anderen Islamkritikern an?

Kelek: Es liegt nicht an mir, sondern an der Realität. Aber es liegt auch daran, dass so wenig andere Muslime kritische Positionen beziehen. Mit Kritik lebe ich seit der Veröffentlichung von „Die fremde Braut“, und sie wird wieder aufflammen, wenn in ein paar Wochen mein neues Buch zum Islam erscheint. Zuerst war ich für einige Journalisten interessant, weil ich mit dem Thema „Zwang zur Ehe“ im Islam ein Tabu gebrochen habe. Da ich mich aber nicht mit der Rolle als Impulsgeberin zufriedengebe, sondern versuche, Strukturen und Hintergründe auszuleuchten, werde ich einigen vielleicht lästig. Ich deute und verlange ein Umdenken. Viele Migrationsforscher fühlen sich von mir nachhaltig gestört. Jahrzehntelang war die Rollenverteilung klar: Die muslimischen Migranten waren die Mündel, die durch Sozialarbeit gerettet werden mussten.

Die Welt: Kritiker nennen Sie eine „Fundamentalistin der Aufklärung“, da Sie nicht tolerant gegenüber dem anderen seien.

Kelek: Das große Problem ist, dass die westlichen Individualisten nicht nachvollziehen können, was der Islam ist. Sie denken, er sei nur eine Variante ihres Glaubens, eben eine mit Kopftuch. Der Islam ist aber ein System, das den Menschen als Sozialwesen und nicht als Individuum sieht, er fordert das Kollektiv. Das Christentum ist durch die Aufklärung nicht entchristlicht worden, und die Muslime werden durch die Ächtung der Scharia nicht zu schlechteren Muslimen. Sie müssen sich säkularisieren, müssen den ideologischen und politischen Charakter des Islam ablegen und sich auf die Spiritualität besinnen.

Die Welt: Was ist dann „Islamophobie“?

Kelek: Der Begriff soll beschreiben, dass Kritik am Islam eine irrationale, also unbegründete Angelegenheit ist. Es ist ein Kampfbegriff, der von Islamstiftungen in Saudi-Arabien aufgebracht wurde und jetzt auch bei uns die Runde macht. Man spürt in den Debatten auch ein männliches Ressentiment gegen jene Frauen, die bestimmte Auswüchse des Islam kritisieren: Seyran Ates, Hirsi Ayaan Ali oder auch Irshad Manji. Aber unterschätzen Sie auch nicht die Ressentiments von Frauen gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen. Die unsachlichsten Nachreden kommen meist von Redakteurinnen mit und ohne Migrationshintergrund.

Die Welt: Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Kelek: Ohne die Frauenbewegung oder Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen oder Alice Schwarzer könnte ich mich nicht in der Öffentlichkeit für die Rechte der Muslimas einsetzen. Sie waren und sind meine Vorbilder, und solche Frauen braucht auch die islamische Welt.

Die Welt: Ist die Frauenfrage die zentrale Frage, wenn es um die Entwicklung und Befreiung von Gesellschaften geht?

Kelek: Auf jeden Fall. Die Entschleierung der Frau, also die persönliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung, würde den Islam total verändern. Das wäre die eigentliche Revolution. Ohne die Gleichberechtigung der Frau bleibt der Islam ein Apartheidsystem.

Die Welt: Wer den Islam radikal kritisiert, wird oft seines Lebens nicht mehr froh, man denke an Rushdie, van Gogh, Westergaard, Hirsi Ali.

Kelek: Seitdem die Kritik vor fast tausend Jahren aus dem islamischen Denken verbannt wurde, hindert diese Gesellschaft sich selbst am Fortschritt und straft alle Dissidenten als Verräter ab. Der Zweifel als Triebfeder der Erkenntnis ist dem islamischen Denken verloren gegangen. Es ist auffällig, dass alle kritischen islamischen Denker im Westen leben.

Die Welt: Fühlen Sie sich einsam, manchmal sogar auf verlorenem Posten? Seyran Ates, die gerade ein Buch schrieb über die Notwendigkeit einer sexuellen Revolution in der muslimischen Welt, schweigt derzeit.

Kelek: Es mag so aussehen, als hätten Seyran Ates, Hamed Abdel-Samad oder ich als Muslime eine gewisse Alleinstellung, was Kritik am Islam angeht, aber wir sind nur die Spitze des Eisbergs. Ich habe viele deutsche und türkische Freunde und Bekannte. Ich sage, was sich viele leider nur zu denken trauen. Die Debatte zeigt, wie inhaltlich und argumentativ schwach der politische Islam in Deutschland ist, dass er nicht eine Person hervorbringt, die überzeugend die islamischen Verbände nach außen vertritt. Zum anderen zeigt sich, dass Personen wie ich, die weder institutionelle Macht noch ein universitäres Netzwerk haben, allein mit Fakten und Argumenten eine Debatte anstoßen können. Das zeichnet unsere Bürgergesellschaft aus.

Die Welt: Wie drückt sich Sympathie Ihnen gegenüber aus?

Kelek: Ich habe einen multikulturellen Freundes- und Bekanntenkreis, in dem kräftig diskutiert und gestritten wird. Ich bekomme viel Zustimmung in E-Mails, werde zu vielen Veranstaltungen eingeladen, mache Fortbildungen, lese, diskutiere und halte Vorträge. Zuerst waren es meist interessierte deutsche Zuhörer, inzwischen kommen auch viele Muslime und Migranten, vor allem Frauen. Sie wollen diskutieren, streiten, gehört werden. Auch wenn man gelegentlich versucht, sich an mir abzuarbeiten, habe ich das Gefühl, dass sich im Laufe der letzten Jahre einiges geändert hat. Das Schweigen ist gebrochen. Viele türkische Frauen sagen zu mir: „Wenn wir dich nicht hätten …“ Das macht mir Hoffnung.

Die Welt: Wie erleben Sie heute den Alltag zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland?

Kelek: Die Parallelgesellschaft funktioniert. Dort werden fast nur Zeitungen aus der Heimat gelesen, wird das türkische TV-Programm empfangen. Die Debatte, die jetzt in den Feuilletons geführt wird, erreicht nur eine verschwindend geringe Zahl von Muslimen. In den Moscheen ist Debattieren nicht vorgesehen, die Islamfunktionäre interessiert das nicht. Sie schotten sich ab, wollen in Ruhe gelassen werden, scheuen die Öffentlichkeit. Sie treten nur auf, wenn sie glauben, Ansprüche stellen zu können….

Welt