Die Freiheit der Religionskritik

Das war knapp. Dem islamistischen Terror wäre beinahe die Blutrache für eine vermeintliche Beleidigung des Propheten Mohammed gelungen.

Vor vier Jahren hatte der Karikaturist Kurt Westergaard in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten Mohammed mit einer Bombe unterm Turban gezeichnet. Eigentlich ein satirisch trefflich überzeichnetes Bild für eine Religion, in deren Namen ein Kreuzzug gegen die aufgeklärte westliche Welt geführt wird.

Über so ein Bildchen müsste eigentlich im 21. Jahrhundert – nach der Französischen Revolution vor 220 Jahren und den bewegten 68ern – allenthalben geschmunzelt werden können. Weit gefehlt. Unser finsteres christliches Mittelalter mit Hexenverbrennung und Verfolgung freiheitlicher und aufklärerischer Ideen erlebt in Teilen des Islams eine Renaissance: Frauen werden dort im Namen der Religion unter die Burka gezwungen, Homosexuelle und Ehebrecher gesteinigt. Und in Manhattan, Madrid, London, Djerba und fast auch im Regio-Express nach Hamm müssen Menschen durch den Terror fanatischer Islamisten sterben.

Kurt Westergaard, der eine vergleichsweise harmlose Karikatur gezeichnet hat, ist dank des Ausbaus seines Badezimmers zum Zufluchtsort nur knapp dem Tode entronnen. Auch Salman Rushdie, der vor 20 Jahren wegen des Romans „Die Satanischen Verse“ mit dem islamistischen Todesurteil belegt wurde, lebt nur noch dank Polizeischutz. Leider weniger Glück hatte der Rushdie-Übersetzer der japanischen Ausgabe, den Killerkommandos getötet haben.

Es ist eine geistig und intellektuell regelrechte Zumutung für jede freie Bürgergesellschaft, sich überhaupt mit irregeleiteten religiösen Eiferern auseinandersetzen zu müssen. In Europa sind mit Blut und Tränen der nach Freiheit dürstenden Bürger die finsteren klerikalen Mächte des Mittelalters vertrieben worden. Seitdem ist Religion ein freiheitliches privates Bürgerrecht.

Wie wäre es, wenn sich angesichts des religiös motivierten Terrors hierzulande Vertreter religiöser Gemeinschaften – allen voran der Islam im Schulterschluss mit dem Christentum – lautstark und ohne Wenn und Aber für unsere bürgerlichen Freiheiten einsetzen würden? Und die bedingt nun einmal auch die freie Meinungsäußerung. Und dazu gehören ganz selbstverständlich auch bitterböse Karikaturen, die der Kirche nicht gefallen müssen. So viel Freiheit ist schon lange und muss auch weiterhin selbstverständlich bleiben.

Quelle: Der Westen

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