Sklaverei immer noch Alltag

Nirgends ist der Menschenhandel so verbreitet wie in Mauretanien. Offiziell hat die Regierung die Sklaverei schon mehrfach verboten – tatsächlich jedoch verweigert sie effektive Massnahmen.
Markus Symank

«Wohin man schaut, überall sieht man Sklaven. Sie fegen und putzen, sie bauen Häuser und hüten Schafe, sie schleppen Wasser und Ziegel. Die Wirtschaft des Landes lastet einzig auf ihren Schultern.» Was wie ein Augenzeugenbericht aus dem alten Rom klingt, ist ein aktueller Bericht des Sklavereiexperten Kevin Bales über Mauretanien. Seit Jahren trägt die nordwestafrikanische Republik die rote Laterne im Kampf gegen Sklaverei.

Lokale Menschenrechtsorganisationen gehen von etwa 600 000 Sklaven aus, was rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.

Diesen Monat stattete die UNO-Expertin für Menschenhandel Gulnara Shahinian dem Land am Atlantik einen Besuch ab. Ihr Fazit fällt vernichtend aus: «Es existieren nach wie vor sämtliche Formen der Sklaverei, auch Kinderarbeit und Kinderehen sind an der Tagesordnung.»
Regierung stellt sich quer

Offiziell hat die ehemalige französische Kolonie die Sklaverei schon mehrfach abgeschafft. Zuletzt erliess das Parlament vor zwei Jahren ein Gesetz, das Sklavenhaltung mit bis zu zehn Jahren Gefängnisstrafe belegt. «Doch ein Gesetz, das nicht durchgesetzt wird, ist nichts weiter als ein Stück Papier», klagt Shahinian. «Die Regierung muss eine Strategie entwickeln, wie das Problem effektiv bekämpft werden kann.»

Doch genau vor diesem Schritt schreckt die Staatselite um Präsident Abdel Aziz zurück. Sie fürchtet, durch die Abschaffung der Sklaverei den Ast abzusägen, auf dem sie sitzt. Denn die Herrschaft üben seit jeher hellhäutige arabisch- und berberstämmige Mauren aus. Diese stellen jedoch nur 13 Prozent der Bevölkerung. Der überwiegende Teil der Einwohner gehört schwarzafrikanischen Ethnien an, aus der die Oberschicht seit Jahrhunderten Sklaven rekrutiert.

Quelle

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