Linker Antisemitismus schreibt sich Antizionismus

Was ein antisemitischer Skandal ist, bestimmt der Zeitgeist. Der ist immer noch auf Rechtsradikale fixiert. Ihre linksextremen Brüder im Geiste werden nicht als Gefahr angesehen. Seit langem wird der als Antizionismus getarnte Antisemitismus linker Kreise verharmlost.

Ein aktuelles Beispiel spielte sich in Hamburg ab. Dort sollte ein Film des Regisseurs Claude Lanzmann gezeigt werden. Doch soweit kam es nicht, Mitglieder einer linksextremen Gruppe blockierten den Eingang zum Kino, bauten einen Zaun auf, verkleideten sich als Soldaten und wollten damit auf die Situation der Araber in Israel hinweisen. Antisemitisch sei diese Aktion nicht, erklärten sie. Mit der Verhinderung dieser Aufführung setzten die selbsternannten Kämpfer gegen Rassismus, Sexismus, Faschismus, Kapitalismus und Imperialismus eine beschämende Tradition fort. Die letzten, die vor ihnen in Deutschland den Besuch „jüdischer“ Filme gewaltsam verhinderten, waren die Prügeltruppen der SA.

Zwar sind die allermeisten Linken über diesen Vorfall empört, doch tatsächlich ist auch ihr Verhältnis zu Israel und dem Judentum gespannt. Besonders offensichtlich wird das im Umgang mit dem Antizionismus, der angeblich etwas völlig anderes als der Antisemitismus sein soll. Wo das eine endet und das andere beginnt, bleibt dabei offen und dem jeweiligen Antizionisten überlassen. In Wahrheit ist der Antizionismus nichts anderes, als der Versuch, den Antisemitismus unter neuem Namen zurück in den Zustand der Unschuld zu versetzen. So wie es vor der Nazizeit möglich war, sich ganz offen als Antisemit zu bekennen, möchte man es nun als Antizionist ebenfalls dürfen. Dabei spielt das ‚Opfer‘ der jüdischen Verbrechen, für das sich die Antizionisten einsetzen, im Grund keine Rolle. Es ist nur Mittel zum Zweck und austauschbar. Wäre Israel im australischen Outback gegründet worden, wäre den Aborigines die Solidarität der Antisemiten sicher und kein Mensch hätte jemals etwas von einem palästinensischen Volk und dessen legitimen Rechten auf einen Staat gehört.

Die Linke bringt es nicht einmal über sich, die Existenz Israels ohne Wenn und Aber zu akzeptieren. Das Existenzrecht des jüdischen Staates steht in den Allmachtsfantasien der Antifaschisten immer wieder zur Diskussion. Darf es Israel geben, in welcher Größe, mit welchen Grenzen? All das sind Fragen, mit denen man sich als deutscher Linker beschäftigt. Gleichzeitig bleibt es bei einer sturen Unterstützung der „palästinensischen Sache“, obwohl diese Sache unter anderem von Terrorbanden wie der Hamas hochgehalten wird, für die der Mord an Juden ein Ziel an sich darstellt.

Man muss sich so langsam mal klar darüber weden, für welche Werte man genau stehen will. Wer Antisemiten in seinen Reihen duldet und sich damit zufrieden gibt, dass diese sich Antizionisten nennen, wer dem jüdischen Staat regelmäßig und mit Leidenschaft Apartheid und Vertreibung vorwirft und wer sich für den Boykott israelischer Waren, Filme oder Universitäten einsetzt, kann für sich jedenfalls nicht in Anspruch nehmen, gegen Antisemitismus einzutreten.

Welt

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