Pakistan und der Preis des Friedens

Am 16. Februar hat die pakistanische Regierung den Taliban im Rahmen einer Friedensvereinbarung gestattet, im Swat-Tal ihre eigene Version der Scharia als Rechtsgrundlage einzuführen. Tags darauf staute sich der Verkehr auf dem Green Chowk, einem Platz in Mingora, der wichtigsten Stadt der Region. Seit einiger Zeit nennen ihn die Leute freilich Khooni Chowk, «Blutplatz»: Hier pflegten die Taliban die Opfer ihrer mörderischen Strafaktionen auszustellen.

Aber am Tag, an dem der Frieden kam, verschwanden die Frauen. Von den Strassen, aus den Büros, sogar aus dem grossen Basar, wo nur Familien zugelassen sind und nichts Schlimmeres verkauft wird als bunte Stoffe, Taschen, Schuhe und Accessoires.

Auch die Musik verstummte. Alle vierhundert Musikhandlungen blieben geschlossen.

Gefangene im eigenen Haus

Auf den Frauen des Swat-Tals lasten Furcht und Resignation noch schwerer. Die Taliban haben Mädchenschulen in die Luft gesprengt und die von Kugeln durchsiebten Leiber von Tänzerinnen auf dem Khooni Chowk deponiert. Hinter verschlossenen Türen, unter den neu gekauften Burkas hervor, durch drei Schleier hindurch und immer unter dem Siegel der Anonymität haben mir die Frauen ihre Geschichten erzählt. «Die Männer werden unter den Taliban weiterhin zur Schule und zur Arbeit gehen können, wenn sie sich an die Gesetze halten, aber wir sind Gefangene in unseren eigenen Häusern geworden. Wir können nicht einmal Essen einkaufen gehen. Für uns ist alles vorbei», hiess es wieder und wieder….

NZZ

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