Gemäßigte Nazis

Das letzte Wochenende verbrachte ich in Ulm und dort wappnet man sich für einen Aufmarsch der Neonazis. Überall hängen Ulm gegen Rechts-Plakate, auf denen die Stadt den Nazis klar machen will, dass sie hier nicht willkommen sind. Das ist ja auf jeden Fall die richtige Einstellung und doch frage ich mich, wo denn die ganzen Mahner sind, die einen Dialog einfordern, die davon sprechen, dass ein Boykott immer falsch ist, weil man miteinander ins Gespräch kommen muss, um akzeptable Lösungen zu finden?

Der Bürgermeister sollte sich mit den führenden Nazis an einen Tisch setzen und natürlich müssen „schmerzhafte Zugeständnisse“ gemacht werden. Im Endeffekt führt doch die Ausgrenzung der Nazis erst dazu, dass sie in die Radikalität getrieben werden. Dabei sind sie doch vor allem erbitterte Kritiker des Heuschreckenkapitalismus, des Kriegsbündnisses NATO und des Afghanistaneinsatzes. Und überhaupt, ist es nicht blanker Hohn, wenn die Stadt Ulm auf ihrer Homepage schreibt: Ulm und Neu-Ulm sind tolerante und weltoffene Städte, in denen rechtsextremes und menschenfeindliches Gedankengut keinen Platz hat. Wo kein Platz für Andersdenkende und Minderheiten ist, kann es keine wahre Toleranz und Weltoffenheit geben.

So in etwa müssten eigentlich die Argumente von Trittin und Co. klingen, die sich ansonsten jeder menschenverachtenenden Bewegung an den Hals werfen und aktuell in tiefer Sorge um die somalischen Piraten (nicht um deren Geiseln) sind. Warum fordern solche Leute eigentlich ständig, dass Israel mit der Hamas reden muss und weigern sich gleichzeitig konsequent, mit einem Gegner zu sprechen, der von seiner Gefährlichkeit her momentan irgendwo in der Oberliga der Schreckensideologien angesiedelt ist (es gibt weit und breit kein Naziland, es ist auch keine Bewegung, die kurz davor steht, politische Schaltstellen zu übernehmen oder die Armee zu unterwandern). Als Krönung dieser Verlogenheit betrachtet man seine strikte Weigerung, mit Nazis über deren Positionen zu diskutieren auch noch als Ausdruck besonderer Zivilcourage.

Dabei dürfte es mehr gemäßigte Nazis als Taliban geben und im allgemeinen haben die Nazis auch in näherer Vergangenheit weniger Menschen umgebracht als die Bärtigen. Da sollte man ihnen doch die Gelegenheit geben, mal ihre Standpunkte öffentlich zu verkünden. Vielleicht laden die Grünen oder die Linken sie einfach mal in den Bundestag ein und hören sich geduldig die Hasstiraden der Braunen an. Mit ziemlicher Sicherheit könnte man aus den Reden eine indirekte Verdammung des Antisemitismus und ein verschlüsseltes Ja zum Einwanderungsland Deutschland ableiten. Für Experten, die von indirekten Anerkennung Israels durch die Hamas zu berichten wissen, sollte so etwas doch kein Kunststück sein (obwohl das rhetorische Stilmittel des “Übersetzungsfehlers“ in diesem Fall leider wegfällt).

Deutschland fordert zwar von anderen Staaten, sich mit ihren Feinden an einen Tisch zu setzen, aber für das eigene Verhalten gilt das nicht. Da hört man dann plötzlich ganz andere Argumente, zum Beispiel, dass man den Nazis keine Plattform für ihren Hass geben will.

Warum man aber gleichzeitig kein Problem damit hat, der Hamas und den Taliban diese Plattform zu geben, bleibt ein deutsches Geheimnis.

Welt

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3 Responses to Gemäßigte Nazis

  1. Hartung sagt:

    Hier ein interessantes Video

    http://freiesicht.wordpress.com/2009/05/09/israel-in-den-medien/

    Admin> Danke, kenne ich schon, und werde es bald posten.

  2. Hartung sagt:

    jo kein ding. wenn du willst kannst ja meinen blog verlinken

  3. Leon sagt:

    Ungemäßigte Nazis im interkulturellen Dialog mit dem Islam:

    “ (…) Adolf Eichmann hatte Mai 1943 den Briten vorgeschlagen, 5000 jüdische Kinder aus Bulgarien nach Palästina emigrieren zu lassen, im Austausch gegen die Freilassung internierter Deutscher im Ausland.
    Der Mufti protestierte bei der SS – erfolgreich. Die Kinder wurden stattdessen nach Polen geschickt, in den sicheren Tod. Ein deutscher Beamter protokollierte, dass der Mufti die Juden „am liebsten alle umgebracht“ sähe.
    1944 reiste el-Husseini mehrfach nach Bosnien, wo er im Auftrag der SS muslimische Regimenter rekrutierte. Die bosniakische „Waffen-Gebirgs-Division-SS Handschar“ erfreute sich des Wohlwollens Heinrich Himmlers, der sich um die religiöse Erziehung kümmerte. In Dresden wurde eine Mullah-Schule der SS eingerichtet.
    Himmler schwärmte von der „weltanschaulichen Verbundenheit“ zwischen dem Nationalsozialimus und dem Islam. … “

    http://www.helmut-zenz.de/hzislam8.html

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