Scharia in Pakistan Im Swat-Tal beginnt die Talibanisierung des Alltags

Nach dem Beschluss, im pakistanischen Swat-Tal die Scharia einzuführen, nehmen die ersten islamischen Richter ihre Arbeit auf. Was Recht ist und was nicht, bestimmen vor allem die Taliban. Ihre Regeln erstrecken sich auf alle Lebensbereiche – von Schulen über PC-Geschäfte bis zu Friseuren.

Warum nicht offiziell besiegeln, was praktisch seit mehr als zwei Jahren grausame Realität in Swat ist? Fazlullah betrachtet die Bildung für Frauen als „unislamisch“, seine Schergen haben seit 2007 fast 200 Schulen, darunter 122 Mädchenschulen, zerstört. Am 24. Dezember verkündete sein Sprecher, Schulbildung für Mädchen sei ungesetzlich. Alle Schulen müssten bis zum 15. Januar schließen oder hätten die Konsequenzen zu tragen.

Auch in anderen Bereichen hat Taliban-Recht bereits Einzug gehalten: Friseure dürfen Bart-Rasuren nicht mehr anbieten, Radikale brennen Musikläden, Computer- und Fernsehgeschäfte nieder. Unterhaltung ist unter Taliban-Regime streng verboten. Im Swat-Tal ist Afghanistan zur Zeit der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 im Kleinen wieder auferstanden. Die letzte Komponente, die radikale Rechtsprechung, ist vor einer Woche hinzugefügt worden – eine krude Mischung aus 1400 Jahre alten Bestimmungen und Stammesriten.
Wer sich widersetzt, wird bestraft. Die Tänzerin Shabana glaubte, die Anweisungen der Fanatiker ignorieren zu können. Ihre Leiche, übersät mit CD’s, Fotos und Banknoten, lag eines Tages in den Straßen von Mingora, Hauptstadt von Swat. Politische Gegner werden geköpft, Mörder und Ehebrecher öffentlich gehängt, auf Diebstahl steht die Amputation der Hand.

Das Swat-Tal ist jetzt endgültig jeder staatlichen Einflussnahme entzogen. Es ist Taliban-Land – und ein Zufluchtsort für militante Extremisten, die sich dort neu gruppieren und bewaffnen können. So war es auch in der pakistanischen Provinz Waziristan, wo die Regierung von General Pervez Musharraf 2006 mit den Aufständischen einen Waffenstillstand schloss, den die Kämpfer – unbehelligt von der Armee – dazu nutzte, neue Kraft zu sammeln. „Der Friedensvertrag“, so meint Ex-Innenminister und Generalleutnant Hamid Nawaz, „reflektiert die wachsende Schwäche und Hilflosigkeit der Regierung. Die Menschen in Swat leben in Angst vor den Militanten und haben keine andere Wahl, als diesen ‚Friedensvertrag‘ zu preisen.“
welt

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