Integration Das vietnamesische Wunder

20 Jahre nach dem Fall der Mauer schreiben die Nachkommen der ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter eine bislang wenig bekannte Erfolgsgeschichte. Angeworben Mitte der achtziger Jahre, erlebten die Arbeitsmigranten aus dem sozialistischen Bruderland nach der Wende in Ostdeutschland häufig den Absturz in Arbeitslosigkeit und Armut, sie waren isoliert, wurden zum Opfer von Fremdenhass. Ihre Kinder jedoch sind nun dabei, mit ungeheurem Fleiß und Bildungsdrang die deutsche Gesellschaft zu erobern. Denn der Druck, gute Noten zu erzielen, ist in vietnamesischen Familien enorm.

Zugleich stellt der Schulerfolg der Vietnamesen eine ganze Reihe vermeintlicher Wahrheiten der Integrationsdebatte infrage. Wer etwa meint, dass Bildungsarmut stets soziale Ursachen hätte, sieht sich durch das vietnamesische Beispiel widerlegt. Auch die These, Migranteneltern müssten selbst gut integriert sein, damit ihr Nachwuchs in der Klasse zurechtkomme, trifft auf die ostasiatischen Einwanderer nicht zu. Gewiss, vietnamesische Eltern der ersten Generation hatten – anders als die Türken oder Italiener – oftmals selbst einen höheren Schulabschluss. Aber auch sie sprechen meist kaum Deutsch, leben in einer Nische unter sich und bilden so etwas wie eine Parallelgesellschaft.
Dass ihre Kinder dennoch zu den Musterschülern unter den Migranten wurden, ist der Beleg für die Kraft einer Kultur, deren Strebsamkeit selbst unter widrigen Bedingungen zum Aufstieg führt. Das zeigt sich seit Jahren bereits in den USA, wo überproportional viele Studenten aus asiatischen – genauer: von der konfuzianischen Mentalität geprägten – Nationen die amerikanischen Spitzenuniversitäten besuchen. Nun wiederholt sich das Bildungswunder in Deutschland.

Zeit

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2 Responses to Integration Das vietnamesische Wunder

  1. Toranaga sagt:

    Sie sind Musterschüler der Integration.

    Solche Leute braucht das Land.

  2. Theobald Tiger sagt:

    Die Tochter eines vietnamesischen Bekannten – deutsch akzentfrei, vietnamiesisch, auf Bussiness-Level: englisch, französisch, chinesisch – studierte 4 Semester BWL in Berlin, danach jeweils 2 Semester in Paris und London.
    Als sie mit dem frischen Diplom die Uni-Treppe herunterkam, stand schon Daimler auf der Matte: 6 Monate Vorstandsetage Potsdamer Platz fürs Fitnesstraining, danach Hongkong.

    „Integrationsmaßnahmen“ für die Familie fanden nie statt.

    Da kann ich doch nur noch sagen: al-salāmu ʿalaikum…

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