Eine ganz normale türkische Familie – Zwangsheirat

Hamburg- Leila (22) ist untergetaucht. Die junge Frau hat ein paar Sachen in eine unverdächtige Tasche gestopft, die Haustür ihrer Eltern für immer hinter sich zugeschlagen und sich einen neuen Namen zugelegt. „Ich kann nie wieder zurück“, sagt sie mit tonloser Stimme. Leila wurde in den Osterferien in der Türkei zwangsverheiratet. Ihr Vater hatte die Ehe arrangiert. „Mit einem Cousin, den ich kaum kenne.“ Nur die Flucht mithilfe von „Terres des femmes“ konnte sie vor einem Leben mit diesem fremden Mann retten. Jetzt muss die junge Frau sich allein eine Zukunft aufbauen, 300 Kilometer weit weg von Freunden und der Familie.

Zwangsheirat – das klingt nach Kopftüchern und langen Röcken, eingesperrten und unterdrückten Mädchen. „Doch so extrem war das bei uns nicht“, schildert Leila. „Wir waren eine ganz normale türkische Familie.“ Aber da gehöre eben dazu, dass sie abends früh nach Hause kommen musste, sich nie mit Jungen sehen lassen durfte. „Selbst wenn man nur mit einem Mitschüler an der Bushaltestelle gesprochen hat, gab es Gerüchte“, schildert sie. Das wurde in der Gemeinde gleich rumgetratscht, und man musste immer Angst haben, als Schlampe zu gelten. Vielleicht habe ihr Vater deshalb schon früh entschieden, sie mit einem Türken zu verheiraten. „Bereits mit 13 Jahren wurde ich inoffiziell verlobt.“ Und zwar mit einem Cousin, der in der Türkei lebte und nie in Deutschland war.

„Ich habe diesen Mann vorher nie gesehen.“ Sie habe sich auch zuerst nichts dabei gedacht, weil es so unvorstellbar gewesen sei. „Doch als ich dann mit den Jahren merkte, wie ernst die beiden Familien das meinten, da haben mein Vater und ich nur noch gestritten.“ Der Cousin selbst habe die Heirat gewollt, „er hat sich ein besseres Leben in Deutschland erhofft.“ Dass Leilas Geschwister und ihre Mutter auch gegen die Zwangsheirat waren, das half ihr nichts. „Frauen haben einfach nichts zu sagen. Und meine Mutter ist ja selbst zwangsverheiratet worden.“….
weiterlesen – mopo

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