Gegen Faschismus und Islamismus

„Moscheen symbolisieren den Wunsch zu dominieren“ Ayaan Hirsi Ali

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ZEITmagazin: Frau Hirsi Ali, Sie nennen den Islam „gefährlich, rückwärtsgewandt, böse“. Übertreiben Sie nicht maßlos?

Ayaan Hirsi Ali: Die meisten Muslime sind gute Menschen. Aber als Philosophie, als Lebensstil, ist der Islam schlecht. Muslime, die sich den Propheten Mohammed strikt zum Vorbild nehmen, führen ein Leben, das mit dem in westlichen Ländern nicht vereinbar ist. Viele Muslime haben den Wunsch, mit ihren Ideen und Ansichten akzeptiert zu werden, zum entscheidenden Konflikt des Jahrzehnts gemacht – vielleicht sogar zum Konflikt des Jahrhunderts.

ZEITmagazin: Sie kamen 1992 in die Niederlande und erhielten Asyl. Als Parlamentsabgeordnete verursachten Sie Aufregung, und Ihre 2006 als Buch erschienene Lebensgeschichte hat viele Menschen bewegt. Nun leben Sie zurückgezogen in den USA. Sie sind heute nicht milder?

Hirsi Ali: Es ist wichtig, dass jemand die Wahrheit sagt. Der Islam gebiert auch Gewalt und die Unterdrückung von Frauen. Als mächtige weltweite Bewegung zwingt er seine Ideen anderen Menschen auf. Der letzte Beweis dafür sind die Anschläge von Mumbai.

ZEITmagazin: In Deutschland glauben viele zum Glück immer noch, dass es besser ist, niemandem vorzuschreiben, wie er zu leben hat.

Hirsi Ali: Ein deutscher Journalist in den USA sagte mal zu mir: Du willst, dass wir sie überzeugen, Wurst zu essen und Bier zu trinken! Dabei kämpfe ich nur für die Freiheit. Dafür, dass Mädchen zur Schule gehen dürfen. Dass keine Frau mehr genital verstümmelt wird, so wie ich das als kleines Mädchen erlitten habe, weil meine Großmutter in Somalia dafür sorgte.

ZEITmagazin: Sie halten uns Deutsche für naiv?

Hirsi Ali: Ja. Wir müssen die Muslime überzeugen, aber auch Druck ausüben, damit sie unsere Werte akzeptieren.

ZEITmagazin: In Deutschland entstehen gerade viele große Moscheen, der Islam ist sichtbarer geworden als je zuvor.

Hirsi Ali: Moscheen im öffentlichen Raum sind politische Statements. Sie haben mit Integration nichts zu tun. Für mich symbolisieren sie den Wunsch zu dominieren. Die Deutschen sollten den Muslimen klarmachen, dass das inakzeptabel ist.

ZEITmagazin: Im Jahr 2004 wurde der niederländische Regisseur Theo van Gogh von einem Muslim ermordet. Er hatte den Kurzfilm Submission 1 gedreht, nach Ihrem Drehbuch – die Geschichte sexuell missbrauchter Musliminnen, erzählt von Frauen, auf deren nackte Körper Koranverse gemalt sind. Bedauern Sie die Provokation?

Hirsi Ali: Ich bedauere nur Theos Tod.

ZEITmagazin: Sie hatten angekündigt, eine Fortsetzung des Films zu drehen, aber es gab nie eine. Doch Skrupel?

Hirsi Ali: Ich war einfach zu beschäftigt, ich arbeite am American Enterprise Institute in Washington. Ich forsche über den Islam und halte Vorträge an Universitäten und Highschools.

ZEITmagazin: Ihr Institut steht den Republikanern nahe. Sind Sie womöglich einer der letzten Fans von George W. Bush?

Hirsi Ali: Als ich 2006 in den USA eintraf, hat mich die Regierung sehr herzlich willkommen geheißen. In diesem Sinne bin ich tatsächlich ein Fan von George W. Bush. Trotzdem bin ich froh, dass Barack Obama gewählt wurde. Er hat große Führungsqualitäten.

ZEITmagazin: Freuen Sie sich, die Niederlande verlassen zu haben?

Hirsi Ali: Nein, ich vermisse das Land sehr.

ZEITmagazin: Dort waren Sie Tag und Nacht umgeben von Leibwächtern. Sind Sie noch in Gefahr?

Hirsi Ali: Ja, selbst essen gehe ich nur in Begleitung von Bodyguards.

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