An Israels Seite

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zu Israel ist mit einiger Verspätung nun auch in der Linkspartei angekommen. Die Linke muss sich von Revolutionsromantik und Antizionismus trennen.

Die Linke steht vor dem Parteitag am kommenden Wochenende vor Richtungsentscheidungen, die ihre Entwicklung massiv beeinflussen werden. Die Partei ist äußerst heterogen, und die fundamentalen Differenzen werden immer deutlicher. Die Diskussion über das Verhältnis zu Israel ist ein Kristallisationspunkt dieser Auseinandersetzungen. Sie ist mehr als die Diskussion um ein Land. Diese wird vielmehr entscheidend dafür sein, ob es gelingt, den Dogmatismus hinter sich zu lassen, der in Teilen der Partei vertreten wird. Es geht darum, ob die Linke am veralteten Weltbild des Antiimperialismus festhält oder ob eine fortschrittliche Gesellschaftsanalyse auf der Höhe der Zeit formuliert wird.

Ein zentraler Punkt ist dabei das Verhältnis von Individuum und Kollektiv. Eine emanzipatorische Sicht muss vom Individuum ausgehen, dessen volle Entfaltung sie beabsichtigt. Historisch haben sich die Linken jedoch oft einem kollektiven revolutionären Subjekt verschrieben, sei es der Arbeiterklasse oder den Völkern in der sogenannten Dritten Welt. Dies entsprach immer einem Wunschdenken, und heute ist der Charakter von selbst ernannten Befreiungsbewegungen wie Hamas oder Hisbollah offensichtlicher denn je: Es sind antisemitische Organisationen, die Israel vernichten und eine Diktatur errichten wollen. Unter dem islamistischen Tugendterror haben vor allem die Bewohner in den Ländern selbst zu leiden.

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Eine emanzipatorische Linke darf sich nicht auf die Seite von Diktaturen schlagen. Neben dem bedingungslosen Kampf gegen Antisemitismus und Antizionismus, gerade auch in den eigenen Reihen, ist jede Revolutionsromantik zu verwerfen, die in Staaten wie Venezuela den Sozialismus des 21. Jahrhunderts erblickt. Ebenso ist einem linken Populismus eines Lafontaine, der, rassistische Ressentiments bedienend, gegen „Fremdarbeiter“ hetzt, eine konsequente Absage zu erteilen. Die Diskussion über diese Fragen hat begonnen. Der BAK Shalom wird alles tun, um sie weiter zu forcieren. Die Entwicklung in der Linkspartei dürfte spannend werden.

weiter im Tagesspiegel

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