EX-MUSLIMIN AHADI Anwältin der Abtrünnigen

Mina Ahadi lebt gefährlich – sie setzt sich für Menschen ein, die sich vom Islam lossagen. Seit die Perserin 2007 den Zentralrat der Ex-Muslime gegründet hat, wird sie von Islamisten beschimpft und bedroht. Deutschland gewährt Polizeischutz – doch die Politik bleibt auf Distanz.

Aber die Wahl-Kölnerin hat sich einen der gefährlichsten Jobs der Republik ausgesucht: Als Vorsitzende führt sie den vor einem Jahr gegründeten Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE). Der Verein vertritt vom Glauben abgefallene Muslime, er kämpft für die Trennung von Staat und Religion – und gegen den Islamismus.

Die Scharia, das islamische Gesetz, sieht allein schon für die Abkehr vom Glauben die Todesstrafe vor. Und wie riskant Attacken auf den Islam werden können, zeigen etwa die Fälle Ayaan Hirsi Ali oder Theo van Gogh in den Niederlanden – die abtrünnige Politikerin lebt wegen der ständigen Bedrohung seit mehr als drei Jahren mit Polizeischutz, der islamkritische Filmemacher wurde auf offener Straße erstochen. Auch Mina Ahadi wird bedroht und beschimpft, in E-Mails, per Telefon, auf der Straße. Sie kann sich nur mit Personenschutz bewegen, ihre Veranstaltungen sichert die Polizei.

Ahadi, 51, hat sich das Leben freilich immer schon schwer gemacht: In den siebziger Jahren legte sich die Iranerin mit dem Schah-Regime an und demonstrierte für demokratische Grundrechte. Als der Schah stürzte und die Mullahs 1979 die Macht in Teheran übernahmen, schrieb sie mit ihrem Mann Flugblätter gegen die brutale Islamisierung des Landes. Daraufhin ermordeten die Häscher des Ajatollah Chomeini ihren Mann, ihr selbst gelang es, zu fliehen. Seit 1996 lebt sie nun in Deutschland.

Ahadi, die am kommenden Mittwoch ihre Autobiografie mit dem Titel „Ich habe abgeschworen“ vorstellt, kämpft dafür, endlich als Migrantenvertretung anerkannt zu werden – wie all die islamisch geprägten Organisationen. „Aber die Politik setzt sich lieber mit den dubiosen Verbänden in der Islamkonferenz zusammen“, zürnt Ahadi.

Die Abtrünnigen sehen sich deshalb als Musterbeispiele für integrierte Zuwanderer: „Wir sind gegen Kopftücher in öffentlichen Behörden, gegen die Macho-Kultur in türkischen und arabischen Familien, für Menschenrechte weltweit, und wir erkennen das Existenzrecht Israels an“, sagt Ahadi. Solche Sätze kann sie in Deutschland nicht gefahrlos sagen: „Ich finde es einen Skandal, dass ich für das Ausüben meiner Grundrechte auf freie Meinungsäußerung Polizeischutz benötige“, schimpft die Zentralratsvorsitzende.

Ganz so martialisch will sich Mina Ahadi nicht ausdrücken, zimperlich ist sie aber auch nicht: Neulich etwa traf sie am Rande einer Podiumsdiskussion auf einen Vertreter von Milli Görü, der zweitgrößten Muslimorganisation in Deutschland. Der warf ihr vor, sie beleidige den Islam. Da konterte Ahadi: „Ihre Religion hat mein Leben bedroht und meinen Mann ermordet. Und Sie wagen es, mir einen Vorwurf zu machen?“
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