Jugendgewalt: nur soziale Probleme?

Für die Ursachen lassen sich eine Reihe von Einflussfaktoren finden, die teilweise kulturell bedingt erscheinen, weil sie über die Sozialisation mit Erziehung und Werten der Eltern herrühren – also letztlich herkunftsbezogen sind. Auch die Schulform hat Auswirkungen, sowohl bei Deutschen als auch Nichtdeutschen. Aber Faktoren wie Bildung und soziale Lage erklären die Unterschiede alleine nicht, die Ethnien zeigen zudem unterschiedliche Ergebnisse. Einige Beispiele:

1. „Eltern, die ihren Kindern den Eindruck vermitteln, dass Gewalt kein adäquates Mittel der Konfliktlösung ist, erziehen ihre Kinder seltener zu Gewalttätern. Dieser Einfluss der elterlichen Gewaltmissbilligung ist vor allem bei deutschen Jugendlichen gegeben. Für türkische Jugendliche gilt der Zusammenhang zwar tendenziell in derselben Weise, allerdings erweist er sich als sehr gering und nicht signifikant.“ (Seite 35)

2. Stärker wirkt sich der Einfluss von elterlicher Gewalt aus: „Zudem findet sich bestätigt, dass die elterliche Anwendung von Gewalt, die Resultat kulturell geprägter Erziehungspraxen ist, das Risiko eigener Gewalttäterschaft erhöht.“ (Seite 41)

In einer älteren Untersuchung wurde darauf hingewiesen, dass knapp die Hälfte der türkischen Eltern ihre Kinder NICHT schlagen, das heißt die Mehrheit Gewalt als Erziehungsmaßnahme zumindest teilweise anwendet. Bei einem Drittel der Familien kommt es zu massiven Gewaltproblemen. (http://kfn.de/versions/kfn/assets/fb81.pdf Seite 23)

3. „Weil also nichtdeutsche Jugendliche häufiger in armutsnahen Lebenslagen aufwachsen und häufiger Gewalt durch Eltern erfahren, greifen sie auch selbst häufiger zu Gewalt. Dennoch hat auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren der Befund bestand, dass nichtdeutsche Jugendliche ein signifikant höheres Risiko aufweisen, zu den Gewalttätern zu gehören, die Erziehung ist also noch nicht die ganze Antwort.“

Selbst nach Kontrolle von weiteren Faktoren wie Persönlichkeitseigenschaften, Einbindung in Freundeskreisnetzwerke und Computerspielkonsum „bleibt der Befund einer Höherbelastung bei allen nichtdeutschen Gruppen bestehen.“

Erst der Einfluss von Wertenormen kann die Unterschiede weiter deutlich senken:

4. „Aus diesem Grund wird im Modell […] die Zustimmung zu Gewalt legitimierenden Männlichkeitsnormen eingeführt. Diese variiert sehr stark zwischen den einzelnen Befragtengruppen und wirkt sich auch sehr stark auf das Risiko eigener Gewalttäterschaft aus. […] gerade weil bspw. türkische Jugendliche diesen Normen sehr viel häufiger zustimmen als deutsche Jugendliche, sind sie auch deutlich gewalttätiger.“

Auch dies deckt sich mit früheren Ergebnissen: „Es bleibt aber dabei, dass männliche türkische Jugendliche mehr als doppelt so oft Mehrfachtäter von Gewalt sind wie Deutsche. Wir deuten das so: Ein beachtlicher Teil von ihnen ist stark durch ein traditionelles Männlichkeitskonzept geprägt, das sie in ihrer familiären und kulturellen Sozialisation erlernen und das ihre Gewaltbereitschaft deutlich erhöht. Die Forschungsergebnisse sehen wir damit als Ausdruck eines Kulturkonfliktes, der sich insbesondere für solche türkischen Familien ergibt, die sich nach der Einwanderung in Deutschland stark an diesen traditionellen Rollenmustern für Männer und Frauen orientieren.“

5. Die soziale Privilegierung spielt eine nur geringe Rolle: „Die bisher dargestellten Erkenntnisse könnten zu der Annahme verleiten, wir hätten damit bereits ausreichende Antworten auf die eingangs gestellten Fragen gefunden. Dann aber dürften sich im Vergleich der Gewaltraten der Jugendlichen, die sozial relativ privilegiert aufwachsen, nur geringe Unterschiede zeigen. Dies ist jedoch nicht der Fall. […] Immer noch dominieren die jungen Türken mit einer im Vergleich zu den Deutschen etwa doppelt so hohen Rate (22,9 % zu 11,1 %). Es folgen die Jugendlichen aus dem früheren Jugoslawien mit deutlichem Abstand vor den anderen ethnischen Gruppen.“

Die Forscher warnen aber auch, da es Forderungen gab, ihre Ergebnisse unter Verschluss zu halten: „Die Maßstäbe der political correctness dürfen nicht dazu verleiten, dass man schmerzhafte Botschaften nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählt oder gar völlig unterdrückt. Mit dem Verschweigen dieser Probleme ist niemandem gedient.“ (Seite 23)

Fazit:

Die Gründe für die Höherbelastung nichtdeutscher Jugendlicher sind letztendlich vielfältig, aber oft herkunftsbezogen. Werte, Männlichkeitsnormen und Erziehungsvorstellungen entstehen nicht in Deutschland, sondern im Herkunftsland der Eltern. Das belegen auch die Unterschiede der Einflussfaktoren bei den untersuchten Ethnien.

Die Schlussfolgerung lautet daher, neben den Präventionsvorschlägen der Studie für diese Jugendliche, in der Einwanderungspolitk neben Bildung und Sozialstatus auch auf die Herkunft und den Kulturkreis zu achten, dieses zumindest ernsthaft zu diskutieren.

Die vorschnelle Vergabe des deutschen Passes durch das Geburtsortprinzip zu Lasten des Abstammungsprinzips im Zuge der rotgrünen Reformen hat sich übrigens als wenig hilfreiches Mittel erwiesen:

„Nichtdeutsche Jugendliche ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind nicht häufiger oder seltener als Täter in Erscheinung getreten als Jugendliche nichtdeutscher Herkunft mit deutscher Staatsangehörigkeit. Diese Form der institutionellen Anerkennung ist also für das Verhalten von Jugendlichen nicht relevant.“
Quelle Kriminologisches Forschungsinstitut

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