Der Multikulti-Irrtum Interview mit Seyran Ates

In ihrem neuen Buch haben Sie es besonders auf die Linken abgesehen. Was haben die falsch gemacht?

Seyran Ates: Ich sehe die Linken in der Integrationspolitik ganz besonders in der Verantwortung, denn sie haben lange Zeit Diskussionen verhindert, und sie haben, im Gegensatz zum Selbstverständnis von linkem Denken, nicht genau hingeguckt, was eigentlich in diesen Gesellschaften, in diesen Kulturen, die da zugereist sind, passiert.

„Der Siedepunkt ist längst erreicht“, so lautet ein Zitat von Ihnen. Auch in Deutschland, so Ihre Meinung, müssen Islamkritiker um ihr Leben fürchten.

Sie bezeichnen die seit langem hier lebenden Ausländer und Zugereisten als Deutschländer und schätzen, dass 80 Prozent von ihnen noch nicht in Deutschland integriert sind. Was bedeutet das für die Integration?

Ates: Die meisten Deutschen müssen sich einfach bewusst darüber werden, dass sie selbst in ihrer eigenen Gesellschaft diese Prozesse durchgemacht haben und nicht von ungefähr dort gelandet sind, wo sie heute sind. Sie haben ja auch einen langen Weg der Demokratisierung und der Aufklärung durchgemacht.

Von daher müssten gerade diese ganzen liberalen und linken Menschen verstehen, was wir Dissidentinnen und Kritikerinnen des Islam jetzt gerade machen. Wir versuchen einen innerislamischen Diskurs anzuregen, damit eine Debatte stattfindet, um den Islam zu reformieren, und dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Mehrheitsgesellschaft.

Sie werfen Deutschland vor, mit zweierlei Maß zu messen: Auf der einen Seite werde eine freizügige Werbung akzeptiert. Gleichzeitig erlaube man Schülerinnen aus religiösen Gründen, dem Sportunterricht fernzubleiben.

Ates: Ich finde die Diskussion an dieser Stelle verlogen, weil so getan wird, als ob man auf die sittlich-moralischen Vorstellungen Rücksicht nimmt, und gleichzeitig haben wir eine extrem pornographisierte Werbung. Die Mehrheitsgesellschaft müsste viel kritischer mit der Werbung umgehen.

Und es kann nicht sein, dass in Schulen mit zweierlei Maß gemessen wird. Es kann nicht sein, dass Mädchen nur deshalb nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, weil sie muslimisch sind. Hier werden den Mädchen Bildungschancen genommen, und das steht dem deutschen Bildungssystem entgegen. Die Mädchen haben am Schwimm- und Sportunterricht teilzunehmen, und das kann man auch entsprechend gesetzlich regeln. Das wäre gar kein Problem.

Das Buch trägt den Untertitel: Wie wir besser zusammenleben können. Wie können wir denn besser zusammenleben?

Ates: Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz wie in Kanada, Australien oder in den USA. Menschen müssen aufgrund ihrer Qualifikation einen Antrag stellen und allein nach Deutschland kommen können. Das deutsche System ist viel zu sehr auf Familienzusammenführung ausgerichtet.
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