»Diese Psychopathen lassen sich nicht besänftigen« Jungle World

Cohen ist Journalist und Autor. Zuletzt veröffentlichte er das Buch »What’s Left?«, in dem er der Linken vorwirft, den Widerstand gegen den Faschismus aufgegeben zu haben.

Sie würden also Hassan Butt zustimmen, einem ehemaligen Mitglied der in Großbritannien agierenden islamistischen Gruppe Al-Muhajiroun, der anlässlich der Anschläge erklärte, der wahre Grund für die Gewalt sei nicht die britische Außenpolitik, sondern die islamistische Theologie?

Tatsächlich versteht man die hiesige Situation der jihadistischen Bewegung nur, wenn man deren Entwicklung seit den neunziger Jahren betrachtet. Für islamistische Gruppen wie Hizb ut-Tahrir waren die Fehler der britischen Regierung während des Bosnien-Kriegs eine Steilvorlage. Ihren Jihadismus legitimierten sie mit dem Vorwurf, die Briten hätten bloß zugeguckt, wie die Muslime abgeschlachtet werden. Heute ist die Legitimation des Jihadismus, dass die Briten in Afghanistan und im Irak intervenieren.

Hier gilt nach wie vor eine liberale Asylgesetzgebung, so dass viele Islamisten, die in den neunziger Jahren vor der Verfolgung im Mittleren Osten flüchteten, hierherkommen und große Netzwerke aufbauen. Dazu kommt, dass viele britische Muslime aus Pakistan stammen; fahren sie dorthin, um ihre Familien zu besuchen, kommen sie mit jihadistischer Ideologie zurück.

Würden Sie sagen, es gibt eine faschistische Subkultur in Großbritannien?

Überall in der islamischen Welt findet man die klassischen Elemente des Faschismus, Homophobie, Rassismus, Verschwörungstheorien. Der islamische Faschismus ist zwar anders als der europäische Faschismus. Aber die Grundlage, die Verschwörungstheorie gegen die Freimaurer, ist das Kennzeichen aller rechten Bewegungen, ob in der Reaktion auf die Französische Revolution, ob im zaristischen Reich, unter Hitler, Franco oder Mussolini, und findet sich auch auf den unterschiedlichsten islamistischen Webpages. Ich habe kein Problem damit, diese gegenwärtige psychopathische Bewegung »islamischen Faschismus« zu nennen.

 Wenn der Fall so klar ist, woran liegt es dann, dass es keine antifaschistische Linke gibt, die sich gegen die islamistische Bewegung wendet? Wenn Sie heute an einer europäischen Universität vor aufgeklärten Linken fordern, Frauen im Iran sollten dieselben Rechte haben wie Frauen in Berlin, wäre ich nicht überrascht, wenn Sie zu hören bekämen, dass das eine kulturimperialistische Position sei. Ich selbst war früher Sozialist und Kriegsgegner. Vor der großen Antikriegsdemonstration in London 2003 dachte ich, dass meine Genossen in alter Tradition die Sozialisten und Feministinnen im Irak unterstützen würden. Aber nichts da! Man machte mit den Islamis­ten gemeinsame Sache. Da wurde mir bewusst, in welcher tiefen Krise sich das linke Denken befindet. Leute der radikalen Linken übernehmen Positionen der radikalen Rechten, solidarisieren sich mit Bewegungen und Ideen, die in der Vergangenheit tabu waren. Die Linke hat im 20. Jahrhundert die großen Kämpfe um die Gleichberechtigung der Frauen, gegen den Rassismus und die Homophobie gewonnen. Aber sie schleppt als Erbe mit sich herum, dass es rassistisch sei, andere Kulturen zu kritisieren, und seien sie noch so autoritär. Die Linke befindet sich damit in einem großen Schlamassel.ganzer Artikel

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