Wie kann Berlin verhindern, dass in Problembezirken Parallelgesellschaften entstehen? Was Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky empfiehlt.
Aber es gibt auch Stadtteile wie Whitechapel im Osten von London, da fühlt man sich wie in Kabul. Die Mainstream-Kleidung der Frauen ist die Ganzkörperverhüllung. Oder Brixton, da sehen sie nur Schwarze auf der Straße. Es wird offen gedealt. Das sind gekippte und wohl auch aufgegebene Gebiete. Im U-Bahnhof von Whitechapel hängen die Kabel von der Decke, da ist keine Fliese an der Wand, nur jede dritte Lampe geht. Eine beklemmende Atmosphäre. Auch die im Stadtbild deutlich erkennbaren Sozialbauten bieten einen furchtbaren Anblick. 2007 gab es in London 32 jugendliche Mörder zwischen 10 und 17 Jahren!
Die Behörden haben in den Bezirken, die noch nicht gekippt sind, vor zwei Jahren begonnen einzugreifen. Der Einzelne weicht aus. Kaum ein bürgerlicher Engländer schickt sein Kind auf staatliche Schulen. Die sind für die Unterschicht da. Die anderen schicken ihre Kinder auf Privatschulen, ab 1000 Pfund monatlich. Ansonsten lebt man nebeneinander her.
Die kulturelle Identität geht verloren. Es entsteht ein Sammelsurium, in dem sich die Leute nicht mehr mit einem Staatswesen und seinen Grundwerten identifizieren. Auch nicht mehr mit dem Sozialraum, in dem sie leben, sondern nur noch mit den Regeln und Riten der eigenen Gruppe. Es entstehen eben Parallelwelten, der eigentlich erforderliche Grundkonsens an kulturellen Werten wie etwa Gleichheit von Mann und Frau, Ächtung von Gewalt, Trennung von Staat und Kirche wird aufgegeben.
Na, ganz allein nicht, aber den politischen Mainstream verkörpere ich auch gerade nicht. Doch die Mauer des Totschweigens bröckelt immer dann, wenn man selbst betroffen ist. Wenn wir weiter nur zuschauen, werden wir in 10 bis 15 Jahren in Neukölln-Nord von Whitechapel nicht mehr weit entfernt sein. 75 Prozent der Kinder unter 15 Jahren leben hier bereits heute von Sozialleistungen. Wir haben Schulen, wo 95 Prozent der Eltern arbeitslos sind. In der Welt dieser Kinder kommt ein geregeltes Erwerbsleben nicht vor.
Berlin hat 14,1 Prozent Arbeitslose.
In London haben sie Vollbeschäftigung und trotzdem völlig verwahrloste Stadtteile. Das Argument: Gib jedem einen Job und alle sozialen Probleme sind gelöst, ist damit widerlegt.
Woran liegt es dann?
Es gibt nun einmal Menschen, die sich wunderbar in unserem Sozialsystem eingerichtet und es als alleinige Lebensgrundlage adaptiert haben Außerdem gibt es auch noch andere Möglichkeiten, zu Geld zu gelangen, als sich den Tag mit Arbeit zu versauen. In den Niederlanden sind die Sozialleistungen bei 2100 Euro gedeckelt. Bei uns gilt: je mehr Köpfe in einer Bedarfsgemeinschaft, desto höher ist das Einkommen. Bei Kinderreichtum summiert sich das durchaus in beträchtliche Höhen.




