„Deutungsfalle steht vielen im Weg“
Sie leiten die Begegnungsstätte ALTE SYNAGOGE Essen und besitzen sowohl die israelische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Wie hatten Sie die Ankündigung und die Debatte darüber erlebt, dass ein Abgeordneter mit Junge-Freiheit-Vergangenheit Thüringer Kultusminister werden sollte?
Edna Brocke: Es gibt in diesem Land eine Deutungsfalle, die vielen im Wege steht. Sie haben das Gefühl, links sei das Gegenteil von rechts, und glauben deshalb, wenn man links ist, sei man automatisch gut. Deshalb stellen sie alles, was konservativ oder bürgerlich ist, automatisch in die rechte Ecke, um sich selbst auf der richtigen Seite zu wissen. Diese Deutungsfalle scheint hier wieder zugeschnappt zu haben. Aber in meiner Wahrnehmung ist links das Gegenteil von konservativ oder von bürgerlich. Man muss unterscheiden zwischen Publikationen, die bürgerlich oder konservativ sind, und solchen, die eindeutig rechts oder rechtsradikal sind.
Wie würden Sie die Junge Freiheit, für die Krause vor zehn Jahren gearbeitet hat, einordnen?
Ich lese sie nicht regelmäßig, schaue aber öfters rein und muss sagen, sie hat eine Fülle von interessanten Beiträgen mit durchaus konservativen Positionen, die ich aber ausgesprochen nicht in die rechte Ecke stellen würde. Diese Gleichsetzung von konservativ und rechts ist einfach ein Fehler.