Toker: Ja. Aber es ist für mich auch eine Frage der Selbstachtung. Ich habe zwei Kinder und habe es nicht nötig, Erniedrigungen hinzunehmen. Koran und die islamische Gesetzgebung entmenschlichen sowohl die Frauen als auch die Männer. Burkas oder Kopftücher, Kleidungen, in denen die Frauen sozusagen in Säcke gesteckt werden, sind nur das äußere Zeichen einer viel tieferen Erniedrigung der Frauen.
Haben die Türken selbst die Auseinandersetzung mit dem Islam verpasst?
Toker: Das stimmt. Die türkischen Intellektuellen haben die Bevölkerung allein gelassen und sich vor der kritischen Auseinandersetzung mit dem Islam gescheut. Das führt zu einer geistigen Verwahrlosung unter den Migranten. Das klage ich an. Islam verhindert das selbständige Denken, das für die Demokratie erforderlich ist.
Wozu ein Zentralrat der Ex-Muslime?
Toker: Weil unsere Migrationspolitik falsch ist: Der Islamgipfel von Bundesinnenminister Schäuble hat mich empört. Die Regierung orientiert sich offenbar nicht an die Mehrheit der Ausländer, die liberal ist und hier einfach leben und arbeiten will, sondern einer Minderheit, die religiös und radikal ist.
Diese Islamisierung bedeutet für die meisten Frauen schlichtweg Unfreiheit. Ich würde am liebsten Strafanzeige gegen Schäuble stellen, weil er somit radikale grundgesetzfeindliche Kräfte stärkt, legitimiert. Er sollte solchen Auffassungen nicht Tür und Tor öffnen.
Wer macht beim Zentralrat mit?
Toker: Türkische, arabische Frauen und Männer, aber auch viele Iraner. Besonders letztere haben Erfahrungen, was es bedeutet, unter islamischem Recht zu leben, im Iran steht Folter an der Tagesordnung, allein in diesen Wochen werden dort 27 junge Menschen aufgehängt, weil sie gegen zu hohe Benzinpreise demonstriert haben. Das ist unglaublich.
Was halten Sie vom Bau der Kölner Moschee?
Toker: Dieser Bau, vor allen Dingen mit seinem Minarett, ist nicht notwendig. Es ist eine Machtdemonstration. Was dort unterrichtet wird, ist gegen das Grundgesetz. Man sollte dagegen Klage führen. Ich möchte auch ein Haus eröffnen, in dem ich dann aber Kant und Voltaire vorlese.
Viele muslimische Frauen mit Kopftuch empfinden sich als selbstbewusst.
Toker: Sie sollen Kabarett machen. Aber, es ist psychologisch verständlich: Wer seinen Unterdrückern nicht Nein sagen kann, verteidigt die Unterdrücker, um die Selbstachtung nicht zu verlieren.
Warum setzen Sie sich persönlich so stark ein?
Toker: Es gibt einige Gründe: Als Dankeschön für das freiheitliche Leben, das ich in Deutschland hatte. Ich komme zwar aus dem Osten der Türkei, doch mein Vater war Lehrer, er hat sich für demokratische Werte eingesetzt und vermittelt. Das ist mein Hintergrund. Ich bin seit über 30 Jahren hier. Ich brauche keine persönliche Erfahrung mit Unterdrückung, um mich zu engagieren. Ich möchte ein Signal setzen. Nicht alle Türken, Kurden definieren sich durch ihren islamischen Glauben.
Werden Sie bedroht?
Toker: Ja, aber das interessiert mich nicht. Ich erhalte viele Briefe, in denen man mich persönlich erniedrigt. Damit muss ich leben. Das zeigt mir die Gesinnung der Absender.
vollständiges Interview-HIER
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Ein kurzer Auszug aus einem älteren Interview mit Mina Ahadi:
PI: Sie stehen als Mitglied der Arbeiter kommunistischen Partei Irans politisch links. Fühlen Sie sich von den deutschen Linken (SPD, Grüne, PDS) allein gelassen?
Ahadi: Ja, eindeutig. Die deutsche Linke hat mit ihrer Multikulti-Kuschel-Politik der letzten Jahrzehnte der Integration und den Menschenrechten im Islam einen Bärendienst erwiesen. Es bleibt nur zu hoffen, dass auch diese Politiker irgendwann einmal begreifen werden, welchem Irrglauben sie aufgesessen sind.